Ja, die Adresse ist nicht mehr so schön, aber ansonsten bleibt alles beim Alten. Damit habt ihr auch schon den Grund für den Umzug. Ich habe in letzter Zeit nicht viel geschrieben und musste trotzdem für Server und URL Geld bezahlen. Auf wordpress.com habe ich das selbe System, konnte alle Beiträge und Kommentare übernehmen, genügend Speicherplatz für Bilder, ein Layout mit dem ich gut leben kann, brauche mich um keinen technischen Kram kümmern und wenn ich nichts schreibe, dann kostet es mich auch kein Geld.
Das betreiben eines eigenen Blogs auf eigenem Webspace bringt viele Freiheiten, aber auch mehr Arbeit. Für mich und diesen Blog lohnt sich der Aufwand nicht mehr.
Folgt mir also in eine kleinere beschauliche Welt, erneuert eure Bookmarks und RSS-Feeds und bis demnächst.
Einen Park Chan-Wook Film zu beschreiben ist nicht einfach.
Seine Filme treffen bei mir einen Nerv, der sich im Verborgenen aufhält und den ich nie zu fassen bekomme. Ich bin angeekelt und erfreut zu gleich. Ich sehe teils sadistische Szenen mit einem unglaublichen Gefühl für Stil und warmer Herzlichkeit und winde mich dabei im Kinosessel. In dieser komisch schwebenden Haltung zwischen Ekel und Freude befand ich mich beim Schauen seiner Rachetrilogie und nun auch bei der Sichtung seines neusten und mit dem Großen Preis der Jury in Cannes ausgezeichneten Werkes Thirst.
Der junge Priester Sang-hyeon stellt sich als Testobjekt für die Suche nach einem Impfstoff für das gefährliche Emmanuel-Virus zur Verfügung. Die Experimente laufen schief und er erhält übermenschliche Kräfte, kann sich aber ab sofort nur noch mit Blut am Leben halten. Trinkt er nicht, so tötet ihn der Virus.
Eine animalische Seite steigt in ihm auf, die er als keuscher Gläubiger nicht kannte und kaum im Zaum halten kann. Als er dann die junge Frau Tae-joo kennenlernt, überkommt ihn die Lust und er beginnt ein Verhältnis mit ihr. Sie ist jedoch verheiratet und will ihren eigenen Mann loswerden.
Es entbrennt ein psychologischer Kampf zwischen dem zwanghaft kontrollierten Priester, der keinem Menschen schaden will und der emotionalen leidenschaftlichen Frau, die eine Möglichkeit sieht, aus ihrem tristen Leben zu entfliehen. Wer die Filmografie des Regisseurs kennt, wird wissen, wohin die Reise geht.
Thirst ist eine Mischung aus Poesie und Genrefilm. Sex und Blut, Liebe und Leid, ruhige Worte und schwarzer Humor. Chan-Wook weiß, dass er uns eine alte Vampirgeschichte vorstellt und er weiß, dass dies auch die Zuschauer wissen. Also führt er Konventionen vor, verändert sie hier und da leicht und spielt mit den Erwartungen. Es hat etwas von Hitchcock, wie Wissende und Unwissende vor und auf der Leinwand miteinander verwoben werden.
Leider zieht sich aber eine gewisse Trägheit und Länge durch den Film. Nie wird ganz klar, wo die Geschichte hingeht, wo sie überhaupt hinwill. Diese stete Unwissenheit führt zu vielen überraschenden Momenten, lässt aber kaum erzählerische Spannung zu. Die Spannung des Gezeigten entsteht allein aus der Intensität der einzelnen Szenen, die insgesamt eine nur lückenhaft gezeigte Story zusammenhalten. Als Zuschauer muss man sich die Hintergründe der Ereignisse zusammenpuzzeln. Erklärende klare Momente sind rar. Alles ist so grau und in sich zerrissen, wie die Seelenlandschaft des zum Vampirismus konvertierten Geistlichen.
Das Ende kommt, wie es kommen muss, und ist mit tragisch komischer Verspieltheit inszeniert. Hier läuft alles, was den Film ausmacht zusammen: trockener Humor, brutale Gewalt, stilvolle Bilder mit ebensolcher Musik und viel Gefühl bis zum letzten Bild.
Vor sieben Wochen sah ich Quentin Tarantinos neusten Film Inglourious Basterds im Kino. Nach der Vorführung fuhr ich mit dem Bus durch die dunkle Nacht und schrieb folgende Fragmente in mein Notizbuch:
wenn Tarantino nicht so ein eingebildetes Arschloch wäre, würde ich sagen: IB ist sein Meisterwerk.
Schon vor anderthalb Wochen hatten wir die Möglichkeit den neuen Sam Mendes Film Away We Go in einer Preview zu sehen. Ich hatte zwei Freikarten über moviepilot.de gewonnen und durfte mich mit ein paar weiteren Auserwählten dieser Seite in einen Kinosaal setzen, der zu Dreiviertel mit studiVZ Usern bevölkert war. Der deutsche Filmverleih Tobis, studiVZ und moviepilot hatten diese Werbevorstellung für den Zweck der Mundpropaganda initiiert. Da sich der Film als sehr gut erwies, will ich mich mal an dieser Mundpropaganda beteiligen.
Sam Mendes schaltet nach seinen vier großen Produktionen American Beauty, Road to Perdition, Jarhead und Zeiten des Aufruhrs einen kleinen Gang zurück und dreht einen Independent-Road-Movie über ein schwangeres Pärchen und ihre Suche nach dem richtigen Platz im Leben. Zwischenmenschlich, wie auch rein körperlich.
Burt und Verona haben es noch nicht weit gebracht und als sie schwanger werden, ziehen Burts Eltern überraschend nach Belgien. Allein gelassen starten die beiden daraufhin eine Reise durch Amerika und besuchen all ihre alten Freunde, auf der Suche nach einem schönen Ort, um ihr Kind groß zu ziehen.
Jede Station wird als kleine Episode erzählt. Die Freunde geben Tipps zu ihrer Kindererziehung und sind alle abstrus überzeichnete Charaktere. Nur Burt und Verona scheinen noch halbwegs normal zu sein und erden die Geschichte. Durch ihre Augen erleben wir ein warmherziges Abenteuer mit viel augenzwinkerndem Humor und einigen brachialen Kalauern. Zum Glück driftet die Geschichte dabei nie ins banale, kitschige oder gar billige ab, sondern malt in ruhigen Bildern und mit frohen Musikklängen einen Feel-Good-Movie mit Köpfchen.
Am Ende hat man als Zuschauer nichts revolutionär Neues gesehen, fühlt sich vielleicht sogar sehr stark an die Indie-Perlen Garden State und Little Miss Sunshine erinnert, aber in diesem Fall ist das nichts Schlechtes. Wer möchte nicht mit einem warmen Gefühl im Bauch und einem leichten Grinsen im Gesicht das Kino verlassen.
Away We Go hätte ich mir auch ohne Freikarte und zum vollen Preis angeschaut.
Wir schreiben den 4. Oktober 2009. Ich sitze in meiner neuen Wohnung in Nürnberg. Das größte Umzugschaos hat sich gelegt, nur noch hier und da steht ein Karton dessen Inhalt noch kein neues zu Hause gefunden hat und mein Schreibtisch ist noch eine Übergangslösung, aber alles in allem lässt es sich hier gut leben.
Es ist Sonntag und es herrscht Ruhe. Gute Voraussetzungen, sich mal ein paar Gedanken über die eigene Webseite zu machen, die nun schon länger brach liegt. Weiterlesen …
Dritter Podcast und das dritte Medium. Nach Spiel und Buch nun der Film. Wir haben Sacha Baron Cohens neusten Streich Brüno gesehen und hier könnt ihr erfahren, was wir über die Pseudo-Dokumentation denken.
Nachdem die ersten beiden Episoden mit dem im Macbook eingebauten Mikro aufgzeichnet wurden, sind wir diesmal einen Schritt weiter gegangen und haben diesen Podcast mit zwei Singstar Mikros aufgenommen. Nächstes Mal weiß ich dann auch, wie laut ich die Dinger stellen muss, damit es nicht zu so viel Übersteuerungen kommt. Man lernt ja nie aus.
Podcast:
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Misty ist ein Mädchen aus armen Verhältnissen. Sie malt gern und viel. Meistens kitschige Häuser, Gärten und Landschaften. Bessere Orte, an denen sie gerne leben würde, die sie aber nicht erreichen kann. Sie schafft es auf eine Kunstakademie und lernt den Casanova Peter kennen. Er kommt von der Insel Waytansea, einem Eiland voller reicher alt eingesessener Familien. Mit altem Schmuck und seinem verschrobenen Scham überzeugt er Misty, ihn auf seine Heimatinsel zu begleiten. Sie kommt in eine Welt, die ihren selbst gemalten Bildern entsprungen seien könnte. Alte große Anwesen, weite Strände und grüne Wiesen erwarten sie. Alles scheint perfekt.
Dann wird Misty ungewollt schwanger. Sie gebärt ihre Tochter Tabbi auf der Insel und langsam bröckelt die Fassade der heilen Welt. Ist sie wirklich aus freien Stücken hier? Ist die plötzlich von Touristen überschwemmte Insel das Paradies oder ihr letztes Gefängnis?
Peter begeht Selbstmord, überall findet Misty merkwürdige Mitteilungen an sie und Autor Chuck Palahniuk lässt seine Protagonistin ihre eigene Geschichte aufschreiben. Das letzte Protokoll beginnt.
Diesmal nimmt Palahniuk die Kunstwelt auseinander und zeichnet gleichzeitig eine kranke Gesellschaftsgruppe nach, die um jeden Preis an ihrem Lebensstil, ihren Privilegien und ihrer Macht festhalten will.
Die Mona Lisa hat keine Augenbrauen, weil ein schlechter Kurator sie einfach wegwischte. Tief muss der Autor gegraben haben, um allerlei skurilitäten aus der Kunstgeschichte aufzufinden. Immer wieder streut er die düsteren Anekdoten in die Geschichte ein und unterstreicht so den Teufelskreis in dem Misty sich befindet. Wie immer bei Palahniuk wird nichts ausgespart, jede Körperflüssigkeit beschrieben und der Albtraum dem Leser ungeschönt nah gebracht.
Auf den ersten Seiten ist das Protokoll noch sehr verworren geschrieben und viele Zusammenhänge bleiben lange unklar. Je weiter aber die Geschichte fortschreitet, wird der Schreibstil dem klassischen Roman ähnlicher und alles fügt sich zu einem widerlichen Ganzen zusammen.
Das letzte Protokoll fühlt sich intimer an, als die anderen von mir gelesenen Romane Palahniuks. Vielleicht liegt das aber auch an der ersten weiblichen Hauptrolle und dem stetigen Abwärtstrend ihres Lebens. Es dauert lange, bis Misty sich wehrt und aus ihrer persönlichen Hölle entfliehen will. Die Auflösung ließ sich leider erahnen und hatte auch nicht ganz die gewohnte Wucht. Trotzdem ist Palahniuk ein ganz großer Erzähler und schafft es in jedem Roman seine Finger tief in gesellschaftliche Wunden zu krallen. Wer an diesen Abgründen Interesse hat und nicht gerne die Augen vor der Wahrheit verschließt, sollte die Romane des amerikanischen Schriftstellers mit französisch-russischer Abstammung unbedingt lesen.