Affenkopf
von Daniel
Premiere auf wasted time: eine Kurzgeschichte aus meiner Feder. Exklusiv, live, in schwarz auf weiß und nur hier.
Schon lange beteten sie zu dem steinernen Affenkopf. Sie taten es schon eine Ewigkeit. Eigentlich so lange, wie er in die Vergangenheit denken konnte, was trotz seiner jungen Jahre sicherlich einige hundert Mondaufgänge waren.
Für ihn war es ein großer kahler Felsen, der eine leichte Ähnlichkeit mit einem Affengesicht hatte. Einem dieser Affen, die agil durch die Bäume schwangen und immer wieder Essen aus dem Dorf stahlen. Warum sollte man für solche Tiere beten, die einen bestahlen. Sie bestehlen uns, weil wir nicht genug für sie beten, war die Antwort der Ältesten.
Es gab auch noch größere Affen auf der Insel, die sich aber gut selbstversorgten, immer einen netten und gutmütigen Eindruck machten und ihm sehr viel lieber waren. Für solche Affen sollte gebetet werden und nicht für die kleinen nervigen Äffchen, deren Gesicht zufällig in der Bergwand des Vulkans zu sehen ist. Eine Laune der Natur, dass sich die Steine so geformt haben.
Seit einigen Tagen bebte die Erde und den Bewohnern der kleinen Insel fiel nichts besseres ein, als mal wieder den Affenkopf zu huldigen. Auf Knien rutschten sie vor ihm umher, warfen Früchte in sein steinernes Maul, die Nachts von den echten Affen eingesammelt wurden, streckten die Arme in die Luft und schrieen ihre Angst hinaus.
Beim letzten Ausbruch des Berges hatte es nicht nur Steine geregnet, sondern auch eine zähe rote und heiße Flüssigkeit. Sie war über seine Spitze nach unten, direkt in ihr kleines Dorf gelaufen, wo einer der Bewohner, ein Wunder erwartend, mitten in die glühende Masse rannte. Heute saß er in seiner Hütte und beobachtet das Treiben aus dem Fenster. Ohne Beine.
Seufzend wand er sich von seinen Stammesmitgliedern ab und blickte über die Dächer des Dorfs hinaus auf das Meer. Ruhig bewegte sich das Wasser und dunkel glitzerte seine Oberfläche. In weiter Ferne konnte er Lichter auf den anderen Inseln erkennen. Es wurden wohl Fackeln geschwenkt. Wahrscheinlich beteten die Bewohner dort für ihre Felsen. Er wusste, dass es auf der Insel im Norden einen Stierkopf in einer Bergwand gab. Diese Wand gehörte ebenfalls zu einem Vulkan und auch dieser war in den letzten Tagen ausgebrochen.
Im Süden, auf einer etwas näheren Insel stand der Bärenvulkan, im Westen der des Fisches und im Osten der Wolf. Alle Vulkane waren regelmäßig aktiv, alle Inseln waren bewohnt und überall wurde gebetet.
Die Erde bebte und die nächtliche Dunkelheit stieg noch etwas an. Es begann Asche zu regnen.
Drüben, nur einige Minuten Fahrt mit dem Kanu entfernt, gab es ein unbewohnte Insel. Dort bebte es nie, kein Tier zierte den dortigen steinigen Hügel und niemand lebte auf ihr.
Lautes Krachen zerriss die Stille und rot leuchtende Brocken erhellten die Nacht. In hohem Bogen flogen sie aus dem wütenden Vulkan.
Auf der angrenzenden Insel wollte niemand leben. Es gab niemanden dort, der sie beschützte, kein steingewordenes Tierabbild.
Schreie machten sich breit, als die ersten Geröllmassen eine der Hütten zermalmten. Panisch liefen die Menschen durcheinander.
Die nahe Insel war auch kein Vulkanhügel, der aus dem Meer ragte. Nichts war zu befürchten.
Um den Affenkopf brach die Oberfläche auf und glühende Lava brach hervor. Durch das rote Licht angestrahlt, schaute der zur teuflischen Fratze entstellte Kopf über das ihn umgebenden Chaos.
Ein letztes Mal sah er die Sterne am Himmel, dann senkte sich ein großer Gesteinsbrocken und damit die Dunkelheit über ihn.
Dann war nichts mehr.

Kommentare
Fire coming out of the monkey’s head, but don’t get lost in heaven please.
Da hat jemand seine Hausaufgaben gemacht und die Inspirationsquelle offengelegt.