Filme

Chinatown

chinatown.jpg

Wenn ich Film Noir höre, kribbelt es bei mir immer ein bisschen. Dann sehe ich vor meinem geistigen Auge Männer mit langen Mänteln und Hüten, die in einer dunklen Gasse stehen. Der Regen prasselt auf ihre Schultern, trotzdem glüht eine Zigarette zwischen ihren Lippen. Sie spähen rüber auf die andere Straßenseite, wo ein Frau, wahlweise komplett in weiß, schwarz oder rot gekleidet, in ein Auto einsteigt und wegfährt.

So ähnlich ist es auch in Roman Polanski’s “Chinatown“. Nur regnet es im ganzen Film kein einziges Mal. Was ganz einfach daran liegt, dass Los Angeles der Schauplatz ist und gerade eine Dürreperiode herrscht. Deswegen sollte auch ein Staudamm gebaut werden, um die Wasserversorgung zu sichern. Doch hier beginnt alles kompliziert zu werden, wie bei jedem guten Film Noir und deswegen spare ich mir jeden weiteren Satz zur Story.

Jack Nicholson ist unser Privatdetektiv und Faye Dunaway unsere Femme Fatale.
Berühmt wurde der Film ja hauptsächlich dadurch, dass Nicholson große Teile des Films mit einem Verband auf der Nase durch die Gegend läuft, weil die Bösen ihm ein drittes Nasenloch verpasst haben. Abgesehen davon, spielt Nicholson aber auch noch großartig.
Großartig ist auch, was Polanski für eine Atmosphäre geschaffen hat. Der Zuschauer sieht die gesamte Handlung aus den Augen von Nicholson und begleitet ihn bei seinen ausufernden Recherchen. Da werden dann auch gerne mal lang und breit Schreibtische durchsucht, ohne dass dabei irgendwas sinnvolles zu Tage gefördert wird. So geht das eben im Arbeitsleben eines Detektives. Dementsprechend ist der Film auch sehr behäbig. Was wiederum zum Szenario passt, denn es ist schweine heiß in LA und alle schwitzen so ein wenig vor sich hin.

1974 gedreht bietet “Chinatown” auch einiges fürs Auge. Nicht unbedingt Faye Dunaway, aber einige coole Kameraarbeit. In manchen Einstellungen hatte ich sogar das Gefühl, als wären sie erst mit einem Kamerawagen hinter Nicholson her gefahren, hätten dann die Kamera vom Dolly gerissen und im laufen weiter über seine Schulter gefilmt. Oder sie haben den Kameramann erst auf eine Schiene gestellt und danach ist er abgesprungen und gelaufen…
Auch egal, es sieht gut aus und sorgt für schöne Aufnahmen.

Wer Film Noir mag, wird auch “Chinatown” mögen. Wer es nicht mag, wird einschlafen.


2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Abonniere diese Kommentare als Feed.

*Benötigte Eingaben