
Kurz durchatmen, die Augen entspannen, sich einen Punkt suchen und ihn ganz ruhig für eine halbe Minute anstarren. Gut, jetzt geht es mir besser und ich kann etwas zu “Cloverfield” schreiben.
Dieser Film beschäftigt die Internetgemeinde schon seit einiger Zeit und hat mit seinem kurzen spektakulären Teaser für großes Aufsehen gesorgt. Endlich bekam der Zuschauer nicht gleich die ganze Geschichte in einem 5 Minuten Clip vorgesetzt, sondern wurde durch eine einzige Szene, ohne jegliche Erklärung, angefixt. Viele Fragen warf dieser kurze Ausschnitt auf und genau deswegen wollte ich den Film sehen. Im Nachhinein bin ich sehr froh, so unvoreingenommen den Kinosaal betreten zu haben. Wer auch nur eine falsche Review liest oder sich zu lange mit dem Wikipedia Artikel aufhält, der verdirbt sich eine Menge Spaß.
Wer also den Film noch sehen möchte, der hört bitte genau hier auf zu lesen. Überlegt euch nur, ob ihr 74 Minuten extremes Kameragewackel ertragen könnt. Wer an leichter “Motion Sickness” leidet, macht besser einen großen Bogen um den Film.
Noch da? Ok.
Das große Chaos lässt erst einmal auf sich warten. Die ersten 20 Minuten bestehen aus einer Party und der Charaktereinführung, die leicht zäh geraten ist. Es wird viel gelabert, viel wirr mit der Kamera rumgefilmt und es kommt wenig Zählbares dabei raus. Überrascht war ich von der schönen Musik. Es kam mir so vor, als hätte jemand meinen ipod geklaut und an die Stereoanlage angeschlossen. So konnte ich den langatmigen Anfang gut überstehen.
Kurz darauf explodieren die ersten Hochhäuser und der Kopf der Freiheitsstatur landet in den Straßen Manhattans. Ab jetzt ist die Kacke am Dampfen und die Szenerie von Schreien, Feuer, Panik und einem riesigen Monster bestimmt. Die folgenden Handlungen der Protagonisten sind kaum nachzuvollziehen und natürlich fragt man sich, warum der Typ alles mit der Kamera aufnimmt. Aber so richtig viel Zeit bleibt für solche Gedanken nicht. Zu gebannt habe ich auf die Leinwand gestarrt. Zu sehr war ich damit beschäftigt aus all dem wackelnden Chaos die wichtigen Details rauszulesen. Ich wollte das Monster sehen und je länger der Film dauerte, um so mehr bekam ich meine Chance dazu.
Wirklich gut haben mir die letzten Minuten gefallen. Zuerst wird ein typisches Happy End suggeriert, nur um danach zum finalen Tiefschlag auszuholen. Der rettende Hubschrauber stürzt ab und der Zuschauer mit ihm. Nur bei “Flug 93” habe ich eine ähnlich intensive Absturzszene erlebt. Hier hätte der Film, für mich, schon enden können. Es geht zum Glück aber nur noch kurz weiter. Kurz und heftig.
Als die Credits einblenden, herrscht Totenstille im Kinosaal. Dann die ersten Reaktionen: “Krass! Ich fand’s echt krass.”, höre ich von vorne. “Wie jetzt? Das war es jetzt, oder was?”, wird von hinten gegrunzt. “Sowas habe ich noch nie gesehen.”, schallt von rechts an mein Ohr. Ich nicke und hoffe, dass es so schnell auch nicht wieder versucht wird. “Cloverfield” hat den Überraschungseffekt auf seiner Seite. Seit “Blair Witch Projekt” wurde eine solche Kameraführung nicht mehr konsequent eingesetzt und genau das macht den Film interessant. Das Rad wurde nicht neu erfunden, es wurde nur anders gefilmt. “Diary of the Dead” ist in wenigen Wochen schon der nächste, der mit der selben Herangehensweise gedreht wurde. Dieser Film wird es sehr viel schwerer haben zu überzeugen.
“Cloverfield” jedoch wird als Kinoereignis in meinem Gedächtnis bleiben. Zu Hause im Wohnzimmer, bei zweiter Sichtung, werde ich ihn wahrscheinlich in der Luft zerreißen.
Der Soundtrack am Anfang war wirklich schön. Gleich zwei Songs von den Kings of Leon. Finde die ‘Aha, Shake, Heartbrake’ sowieso viel zu unterbewertet.
[...] Handlung des Films: Ein Monster macht New York platt. Ausführlicher bei wasted-time.org. Ich hatte mich auf den Film gefreut, denn J.J. Abrams, der die einmalige Serie LOST erfand, hat [...]