
Als die bekannte Filmmusik von John Powell erklingt, fühle ich mich heimisch. Ich bin zurück im Kinosessel und Jason Bourne ist immer noch in Moskau. Nahtlos geht die Hetzjagd aus dem zweiten Teil “Die Bourne Verschwörung” weiter. Es fühlt sich so an, als wären die drei Jahre zwischen den beiden Filmen in einem Wimpernschlag vergangen. Gleichzeitig ist aber auch das Schlechte besser geworden und das Gute gut geblieben.
Gut geblieben ist die schauspielerische Leistung aller Beteiligten. Matt Damon ist Jason Bourne und dieser Zustand ist umso erstaunlicher, wenn man sich vor Augen führt, dass dies der selbe Matt Damon ist, der einen ruhigen, beinah schüchternen CIA Mitarbeiter im letztjährigen “The Good Shephard” spielte.
Hier ist Damon wieder das explodierende Kraftpaket. Aber Kraft alleine reicht in unserer hochtechnisierten Welt für einen Top - Agenten ja auch nicht mehr aus. Man muss auch intelligent genug sein, sich aller zur Verfügung stehenden Mittel im richtigen Moment zu bedienen. Dabei bleibt der Film aber immer nah an der Realität. Es gibt keine Gadgets. Es gibt keine Minicomputer in Uhren, keine Laserwaffe in der Brille und keinen Raketenwerfer im Auto.
Es gibt nur Handys, handelsübliche Autos und Google. Ach ja, und natürlich Fäuste.
Fäuste sind nicht zu unterschätzen. Der wohl brachialste Zweikampf, seit “Kill Bill 2″ und der Frauenprügelei im Wohnwagen, wird ohne handelsübliche Waffen geführt. Dafür aber mit allem anderen, was Bourne und einem feindlichen Agenten so in die Hände kommt. Selten taten einem beim Zuschauen die eigenen Knochen so weh.
Wichtiger Streitpunkt bei allen Bourne Filmen war ja auch immer die Kameraarbeit. Alles war immer eine Nummer dreckiger, näher am Geschehen und schneller geschnitten als bei der Konkurrenz. Mehr Dokumentarfilm als Spielfilm. So natürlich auch wieder im dritten Teil. Diesmal wird das Ganze aber, im positiven Sinn, auf die Spitze getrieben. Wo “Die Bourne Verschwörung” durch die hektischen Schnitte viel an Dynamik in den Actionszenen verloren hat, und man manchmal nicht so recht wusste, was dort gerade auf der Leinwand vor sich geht, so wurde das nun sowohl auf die Action als auch auf alle anderen Teile des Films übertragen. Bestes Beispiel dafür ist die Observation eines Journalisten im Londoner Bahnhof. Eigentlich passiert nicht mehr, als dass Bourne, der Journalist und die Beobachter durch die Bahnhofshalle laufen. Parallel dazu sitzt das Einsatzkommando in New York und sieht die Szenerie mithilfe der Überwachungskameras. Jetzt wird aber mit einer solchen Brillanz zwischen all diesen Akteuren und Schauplätzen hin- und hergeschnitten, dass eine enorme Geschwindigkeit und Bewegung aus dem Nichts entsteht und der Zuschauer gebannt auf die Leinwand starrt. Einmal, weil er sonst etwas verpassen könnte und außerdem, weil das Geschehen einfach spannend inszeniert ist.
Die Szenen wurden, bei selber sehr hoher Schnittzahl, deutlich besser montiert als in den Vorgängern. Wichtig dabei ist aber für den Zuschauer, dass er auch alles blitzschnell beobachten muss, ansonsten ist man verloren im Stakkato der Bilder.
Im Prinzip gleichen sich alle drei Bourne Filme inhaltlich sehr stark. Jason reist von einer Stadt in die nächste, immer ein paar Infos über seine Vergangenheit hinterher, die CIA ruft ihre Agenten in der jeweiligen Stadt an, es kommt zu einer Verfolgungsjagd, Schlägerei, Flucht. So auch im “Bourne Ultimatum”, aber diesmal noch schneller, noch rasanter und mit fast keinem Leerlauf.
Nur selten kann ein dritter Teil seine Vorgänger derart überflügeln. Hier ist es eindeutig gelungen.
Kein Raketenwerfer im Auto?!

- Lahm!
Es ist ja schließlich auch Matt Damon.