Der Gejagte – Charlie Huston

von Daniel

der gejagteIm ersten Teil der Hank Thompson Reihe wirbelte der gebrochene Sportler unfreiwillig den kriminellen Untergrund New Yorks durcheinander und verschwand mit vier Millionen Dollar in Mexiko. Für ein paar Monate herrschte Ruhe und Frieden. Hank schwamm im Meer, lauschte Footballspielen im Radio und aß Tortillas. Dann taucht der Backpacker mit dem russischen Akzent auf. Hank ist wieder Der Gejagte und Autor Charlie Huston führt seinen Schützling über die Grenze zurück in die USA und nach Las Vegas.

Wo der Vorgänger zu diesem Pulp-Noir Stück noch etwas Zeit mit der Einführung von Figuren und Problemen vergehen ließ, geht der zweite Teil sehr schnell in die Vollen. Hank ist nicht mehr der gealterte Sportler, der als Barkeeper vor sich hinvegetiert sondern ein Mörder, der auch vor weiteren Morden nicht mehr zurückschreckt. Als er in Mexiko entdeckt wird schickt er die erbeuteten Millionen zu einem Freund nach Las Vegas. Danach macht er sich selbst auf den Weg in die Stadt der Sünden und erneut entbrennt eine gnadenlose Hetzjagd um das Geld.

Hanks Weg ist der nach unten. Eigentlich ein netter Kerl, der niemandem etwas böses will und der unter den schon verursachten Toten leidet, häuft er diesmal noch mehr Leichen an und verliert teilweise seine Skrupel, wenn es denn die Richtigen trifft. Die Entscheidung, über Leichen zu gehen, wird umso leichter, je mehr seine eigenen Eltern in Gefahr schweben.

Die Gewaltspirale dreht sich heftiger als im ersten Teil und geht so mit der Charakterentwicklung von Hank einher. Huston schreibt dabei wieder in einem kurzen atemlosen Stil und lässt Dutzende von Figuren in mehreren blutigen Showdowns aufeinander treffen. Es wird sich gejagt, ein Treffpunkt ausgehandelt und dort läuft dann alles schief und das Spiel beginnt wieder von vorn. Das kann man mit der Zeit redundant finden, die Spannung bleibt dabei aber konstant hoch, denn kein Charakter ist vor einem schnellen Tod gefeit.

Das alles ist schnelle schäbige Pulp-Thriller-Action, ohne den Leser für Dumm zu verkaufen. Der Ausgang ist immer ungewiss, die Handlungen plausibel und doch überraschend und die Unterhaltung konstant hoch. Meine Mutter sagte über den ersten Roman Der Prügelknabe: “Das ist mir alles schon fast zu aufregend.” Ein besseres Kompliment kann es für eine solche Buchreihe nicht geben.


Six Bad Things
Charlie Huston
2005

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