Endlich zurück in Zamonien.
Walter Moers hat sich ein weiteres Mal auf seinen verrückten Kontinent, voller merkwürdiger Kreaturen, gewagt und präsentiert erneut ein Geschichte, gespickt mit absurden Einfällen und kauzigen Situationen.
Echo ist eine Kratze. Kratzen sehen aus wie Katzen, haben aber, die Eigenschaft alle Sprachen Zamoniens zu beherrschen. So fällt es ihm leicht, mit dem Schrecksenmeister der Stadt Sledwaya, in der “das Gesunde krank und das Kranke gesund” ist, zu kommunizieren und einen Pakt abzuschließen. Kurz vor dem Hungertod verkauft die kleine Kratze ihren Körper an den düsteren Eißpin. Sie soll noch 30 Tage zu leben haben, immer genug köstliches Essen erhalten und schließlich ausgekocht werden, damit der Schrecksenmeister das seltene Kratzenfett für die Vervollständigung seiner Sammlung bekommt.
Dem Erfinder des “kleinen Arschlochs” habe ich zuerst keine großen schriftstellerischen Talente attestiert. Dann aber las ich “Rumo & Und die Wunder im Dunkeln”, kurz danach “Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär”, gefolgt von “Die Stadt der Träumenden Bücher”. Alle drei sind superbe Romane und haben gezeigt, dass Moers sehr viel mehr kann, als nur debile Fäkalwitze zu schreiben. So strotzt auch “Der Schrecksenmeister” vor märchenhaften Beschreibungen und Dialogen, die einen erstaunen und häufig breit grinsen lassen. Gleichzeitig durchzieht eine düstere morbide Stimmung alle Szenarien und bietet ein teilweise krasses Kontrastprogramm.
Im seinem neusten Werk verzettelt er sich für meinen Geschmack etwas zu stark in den Beschreibungen von Alchemieschränken, Speisezubereitungen und unterirdischen Gärten, beweist dabei aber eine irrsinnige Kreativität, sodass ich diese Passagen locker lesen konnte, auch wenn sie zur Handlung kaum etwas beitrugen.
Unbedingt erwähnen muss ich auch noch die unterstützenden Zeichnungen, welche ebenfalls von Walter Moers selbst angefertigt wurden. Die verrückte Welt wird so noch stärker zum Leben erweckt. Die momentan erhältliche großformatige Hardcoverausgabe bringt die Bilder bestens zur Geltung, liest sich prächtig, lässt sich aber ungünstig transportieren. Dafür kann man damit aber eine Schneeweiße Witwe erschlagen und vielleicht sogar ein Gekochtes Gespenst erschrecken.
Meiner Meinung nach sein schwächstes Buch bisher. Ich habe den dringenden Verdacht, dass ihn mitten im Schreiben eine Schreibblockade erwischt hat und er nicht wusste, wie er das Buch fertig kriegen soll. Dafür sprechen die dauernden Verschiebungen (eigentlich sollte das Buch irgendwann Ende 2006 rauskommen, wenn ich mich recht entsinne) und die endlosen Aufzählungen, die man leicht als Streckmaterial interpretieren könnte.
Wollen wir mal hoffen, dass er beim nächsten Buch wieder so genial und fließend schreibt wie bei Rumo. Bis dahin lass ich mir (Empfehlung!) das nochmal in Ruhe von Dirk Bach vorlesen…
Die Verschiebungen hat er ja im Nachwort erklärt.
Mir haben Rumo und Käpt’n Blaubär auch besser gefallen. Die haben beide mehr zu erzählen, mehr Charaktere, einfach mehr von all den guten Sachen. Stadt der Träumenden Bücher war mir, ähnlich wie der Schrecksenmeister, zu “klein” und zu sehr auf einen Ort fixiert.