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Der Simulant - Chuck Palahniuk

Der Simulant

Krank ist nicht das richtige Wort, aber das erste, das mir zu diesem Roman einfällt.
Siehe auch: provokant.
Siehe auch: pervers.

Was aber wahrscheinlich bei einer Geschichte über einen Sexsüchtigen, der sein Geld mit dem Vortäuschen des eigenen Todes durch Ersticken verdient, nicht zu umgehen ist.
Gerade das macht auch einen gewissen Reiz aus, denn das Leben von Victor Mancini wird in einer bitterbösen, nichts aussparenden, aber humorvollen Art und Weise vorgetragen, die den verrückten Geschehnissen an Durchschlagskraft in nichts nachsteht. So habe ich das Buch einige Male, sowohl lachend als auch angeekelt, zur Seite legen müssen, um mich über das Gelesene zu amüsieren, oder den Kopf zu schütteln.

Hätte ich auch vorher ahnen können. Autor Chuck Palahniuk schrieb die Vorlage zu David Finchers Meisterwerk “Fight Club”. Parallelen zwischen den beiden Geschichten gibt es einige. Gruppentherapien zum Beispiel. Wenn man die Beschreibungen eines Treffen der anonymen Sexsüchtigen liest, dann frage ich mich: war Palahniuk mal bei so einem Treffen? Hat er sich diese kranken Sachen alle ausgedacht, oder hat er nur zugehört und sich die Taten echter Menschen, mit einem fiesen Grinsen, in sein Notizbuch geschrieben?

Aber es geht nicht nur um Sex. Es geht um die gesamte Gesellschaft und ihre Merkwürdigkeiten. Schon mal darüber nachgedacht, was die Durchsagen in Supermärkten und Kaufhäusern wirklich bedeuten könnten? Schon mal daran Gedacht, euch in ein Auto zu setzen und den nächsten Stau anzufahren, damit man etwas zu tun hat und sich in einer Menschenmasse bewegt, aber trotzdem allein ist? Wenn man Eier schüttelt, während darin gerade kleine Kücken heranwachsen, kommen diese dann verkrüppelt zur Welt? Wenn jemand im Zug oder Flugzeug die Tür der Toilette nicht abschließt, ist das dann ein Sexsüchtiger, der auf einen anderen seiner Sorte wartet?

Was würde Jesus nicht tun?
Mit diesem Vorsatz im Kopf läuft unser Hauptcharakter lange Zeit durch die Gegend und macht genau dies. Palahniuk geht dahin wo es weh tut und der Leser folgt ihm. Manchmal angewiedert, aber trotzdem zu interessiert an den kruden Gedanken, die sich auf der nächsten Seite verstecken könnten.

Am Ende ist es nicht wichtig, was man mit seinem Tun erreicht, sondern das der Weg überhaupt gegangen wird. Das man etwas unternimmt und eine Entwicklung durchläuft ist entscheidend. Der Weg ist das Ziel. Und wenn man nur jeden Tag den man nicht onaniert einen Stein nach Hause trägt. Dann hat man was getan und vielleicht kann man aus den Steinen später mal was bauen, egal was.


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