Bücher

Dickicht - Scott Smith

The Ruins

Verstümmelung ist in den letzten Jahren extrem angesagt. Zumindest im Kino. Mit “Saw” hat das perfide “Ich schneide mir Körperteile ab, damit ich überlebe” - Szenario angefangen, dann ging es mit “Hostel” weiter, wo nun andere Menschen aus Spaß die Extremitäten ihrer Opfer entfernten und mit “The Ruins” (dt. Titel “Dickicht”) ist der “torture porn” jetzt auch in der Unterhaltungsliteratur angekommen.

Vier junge Amerikaner verbringen ihren Urlaub am mexikanischen Strand. Dort lernen sie einen Deutschen kennen, der mit folgender Beschreibung eingeführt wird:

Er war Deutscher, von der Sonne gebräunt, sehr groß, mit einem blonden Kurzhaarschnitt und hellblauen Augen. Auf dem rechten Unterarm hatte er ein Tattoo von einem Adler, schwarz mit roten Schwingen.

An dieser Stelle wollte ich das Buch schon fast zur Seite legen. Tat ich dann aber doch nicht, weil ich hoffte, dass im Verlauf der Geschichte, die dunklen Geheimnisse, des total arisch anmutenden Deutschen, gelüftet würden.

Zusammen mit einem Griechen, der kein Wort Englisch sprechen kann, und für die Handlung vollkommen unwichtig ist, sich aber sehr gut als Opfer machen könnte (in Horrorgeschichten braucht man immer Opfer), wandern unsere sechs Freunde in den Dschungel, um den Bruder des Deutschen zu suchen, der angeblich an archäologischen Ausgrabungen beteiligt ist. Dieser Ort entpuppt sich als alter Maya - Tempelberg, auf dessen Spitze ein Plateau, zwei leere Zelte und ein tiefer Schacht zu finden sind. Außerdem ist der gesamte Hügel mit einer hübschen Schlingpflanze mit roten Blüten bedeckt.

Bevor richtig klar ist, warum sich niemand mehr bei den Ruinen aufhält, taucht ein ganzes Dorf Mayas auf, die den kleinen Berg umstellen und die Touristen darauf festsetzen. Von diesem Moment an nimmt das Chaos seinen Lauf.

Als erstes fällt der Grieche in den Schacht und bricht sich das Rückrat. Bei der Rettungsaktion verletzt sich der Nächste am Bein, was sein Schicksal ebenfalls fast besiegelt, denn die Pflanze, welche überall wuchert, ist nicht so nett, wie sie aussieht. Hier beginnt nun auch der Vergleich mit den “torture porn” Filmen. Auf den folgenden Seiten, werden Beine amputiert, sich selbst das Fleisch aufgeschnitten und auch darüber nachgedacht, ob man nicht den ein oder anderen Menschen verspeisen sollte. Das ist alles detailliert beschrieben, eklig zu lesen und bietet auch eine gewisse Faszination.

Ansonsten passiert leider relativ wenig. Es wird unter Hunger und Durst gelitten, die Nerven liegen irgendwann blank und nach und nach dezimiert sich die Gruppe immer weiter. Quasi, wie in jeder anderen Horrorgeschichte auch. Zum Schluss gibt es noch einen Cliffhanger, der schon aus 100 Seiten Entfernung zu riechen ist. Zurück bleibt ein hart geschriebener und inhaltlich gnadenloser Roman.

Natürlich ist die Verfilmung des Stoffes schon fast beendet. Starttermin von “The Ruins” ist Ende April und die ersten Trailer zeigen schon, wie unangenehm es auf dem kleinen Hügel mitten im Dschungel zugeht. Komischerweise wurden die Personenkonstellationen zwischen Roman und Film stark verändert und in den Werbeclips sind einige Szenen zu sehen, die so im Buch nie vorkamen. Anscheinend hat Autor Scott Smith sein eigenes Werk nicht so richtig gefallen, denn er ist auch für das Drehbuch verantwortlich.


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