Es ist Samstag, der 16.06.2007 und die documenta 12 erlebt ihren ersten Besuchertag.
Als rasender Reporter habe ich mich unter das Volk gemischt und bin an drei der fünf Ausstellungsorte vorbeigeschlendert.
Kaum mache ich ein paar Schritte aus der Tür stolpere ich über die ersten Nebenerscheinungen der documenta. In der Friedrich-Ebert-Straße werden die Gehsteige bemalt. Es sollen kleine Vorgärten sein und so spaziere ich, über Blumen, Gras und eine riesige Sonne, die sich über dem Asphalt ausgebreitet haben, Richtung Innenstadt.
Die ersten Touristen mit Koffern und Taschen begegnen mir vor dem Gloria Kino, in dem jeden Abend ausgewählte Filme im Rahmen der Kunstausstellung laufen. Ansonsten herrscht noch trügerische Ruhe.
Kaum betrete ich aber die Wilhelmsstraße kommen mir die ersten Asiaten entgegen. Normalerweise nichts verwunderliches. In Kassel gibt es auch Asiaten, wenn keine documenta ist. Aber in den nächsten 100 Tagen werden alle größeren Gruppen von Menschen, die so aussehen, als würden sie aus dem fernen Osten kommen, von den Kasselern genauestens beobachtet. Es könnte sich nämlich um das Kunstprojekt “Fairytale” handeln, bei dem 1001 Chinesen über die gesamte Laufzeit der documenta, in Kassel zu besuch sind. Ich bin heute keinen begegnet, oder sie haben sich getarnt. Angeblich sollen sie nämlich einheitliche T-Shirts tragen. Mir sind aber nur normal gekleidete Touri-Asiaten vor die Augen gekommen: klischeehaft, wie immer, mit Mütze und Kamera.
Apropos: klischeehafte Kleidung. Wie kleidet sich der Kunstkenner? Schwarz. Richtig.
Als ich auf dem Friedrichsplatz ankomme springen einem dieser Personenkreis quasi ins Gesicht. Eigentlich sollte das auch der rote Mohn tun, der hier schon vor Wochen gesät wurde. Leider ist davon aber nichts zu sehen. Vielleicht wird das aber noch was. Ist ja noch Zeit.
Schon fertig ist ein Karussell um die Statur Friedrichs II.. Hier gibt es den ersten Clash of the Cultures. Links von mir unterhalten sich drei Japaner, auf japanisch, versteht sich, rechts von mir ein französisches Ehepaar, auf der Mauer gleich neben dem Kunstwerk sitzen langhaarige Obdachlose und trinken Bier, vor mir steht ein Fernsehteam und filmt die sich bewegenden Figuren auf dem Karussell und von hinten kommt ein muskelshirttragender Vater mit zwei Söhnen angelaufen und haut folgenden Satz raus: “Guckt mal, das dreht sich einfach nur. Langweilig oder?”.
Weiter geht es vorbei an Sendewagen vom Hessischen, Niedersächsischen und Bayrischen Rundfunk hinunter in die Orangerie. Hier wurde der Aue-Pavillon errichtet, ein riesiger gewächshausartiger Bau in U-Form, in dessen Mitte sich ein weiteres öffentlich zu bestaunendes Kunstwerk befindet. Aus Holzfenstern und Türen wurde ein großes sternförmiges Etwas gebaut. Wichtig dabei: die Bauteile sind alle mehr als 200 Jahre alt und stammen aus der Qing-Dynastie aus China.
Nachdem ich einmal um den Pavillon gelaufen bin und die Menschen im Inneren fotografiert habe geht es zurück in die Innenstadt. Als ich die Orangerie gerade verlasse, fährt ein schwarzer Mercedes vorbei. Der breit grinsenden Mann, der mich daraus angrinst kommt mir bekannt vor und da hält der Wagen auch schon an. Bertram Hilgen, Oberbürgermeister von Kassel steigt fröhlich aus und ich knipse ihn erstmal ab.
Zurück auf dem Friedrichsplatz bestaune ich die Drahtkonstruktion am Fridericianum und sehe einen Asiaten mit Milchnuckelflasche im Mund auf einer Matratze, mitten zwischen den Menschen, sitzen.
Ja, es ist documenta, denke ich, und gehe erstmal zurück nach Hause.
Morgen geht es in den Bergpark. Da wird Reis unter dem Schloss angebaut. Verrückt.
Alle total schönen Fotos des heutigen Tages findet ihr bei flickr.







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