documenta 12 – Tagestour – Neue Galerie – Schloß Wilhelmshöhe
von Daniel
Teil 1: Museum Fridericianum
Teil 2: documenta Halle, Aue Pavillon
Nachdem uns ein Gewitter durchnässt und wir den zwischenzeitlichen Rückzug angetreten haben, (wenn ihr mal ein paar lustige Gesichter sehen wollt, dann steigt nass und tropfend in ein öffentliches Verkehrsmittel eurer Wahl ein) stehen wir nun, neu bekleidet, vor der Neuen Galerie.
Im Gegensatz zum offenen und chaotischen Aue-Pavillon werden wir hier schlauchartig durch dunkle und kleine Räume gelotst. Dabei begegnen wir unglaublich simplen Zeichnungen über das Leben der Inuit und noch viel viel simpleren Kinderzeichnungen von Peter Friedl. Doch bei genauerem Hinsehen lassen sich auch simple schöne Werke finden. Nedko Solakov konfrontiert den Betrachter mit verschiedenen alltäglichen und absurden Ängsten und porträtiert diese mit Zeichnungen von kleinen Männchen, Monstern, Strichen, Tieren.
Das man aus Staub und Dreck eine lange wellenförmige Schlange zusammenpressen kann sehen wir in einem der großen Räume der Galerie. Darin steht auch ein hoher Kreis mit einer Öffnung, durch die einzelne Besucher ins Innere gelassen werden. Wir werfen nur einen kurzen Blick hinein und sehen verstreute Samen/Körner/Staub, die bei zu viel Luftzug sofort verwehen würden. Unbeeindruckt wenden wir uns ab und gelangen über eine kleine Brücke, innerhalb des Gebäudes, zu einem der eindrucksvolleren Installationen.
Wieder mal ist alles dunkel und wir stolpern um eine paar verwinkelte Ecken in einen langen Raum, an dessen Ende ein Bilderrahmen hängt, der von einem hellen Lichtkegel erhellt wird. Verwirrt und neugierig, wie immer, schreiten wir auf den Rahmen zu und treten in den Lichtstrahl. Unser Schatten landet an der Wand und ein Text wird plötzlich sichtbar.
“Du kommst zum Herzen Deutschlands nur um das Wort Kunst unter deinem eigenen Schatten zu lesen”
Endlich mal etwas augenzwinkerndes in dieser schrecklich ernsten Kunstausstellung.
Der Keller der Neuen Galerie bietet mal wieder Videos und einen aus Glühdraht gebogenen Text, der den kleinen Raum unangenehm aufheizt. Also hoch in den ersten Stock.
In einem großen vollkommen abgedunkelten Raum (habe ich schon mal erwähnt, dass die d12 ein recht düsteres Unterfangen ist?), wird ein Video gezeigt, in dem Harvey Keitel auf einem Feld voller Skelette liegt und mit düsterer Stimme über den Untergang der Welt sinniert. Oder so. Leider konnte ich nicht alles verstehe, was er sich in den Bart genuschelt hat.
Also weiter, vorbei an leuchtenden Gartenhäusern, leuchtenden Särgen, nicht leuchtenden Masken und natürlich wieder Juan. Ohne ihn darf kein Ausstellungsstandort auskommen.
Wir haben noch etwas mehr als eine Stunde Zeit, also geht es per Straßenbahn hinauf zum Schloss Wilhelmshöhe.
Ich mache es kurz: viel gibt es nicht zu sehen. Oder nein. Es gibt viel zu sehen, aber wenig davon hat mit der documenta zu tun. Neben den vielen Rembrandts und alten römischen Vasen findet sich nur ein Flur, der mit zwei Videos und ein paar Bildern zur d12 ausgestattet ist.
Dafür gibt es vor dem Schloss aber das extra angelegte Reisfeld. Auf den ersten Blick hat es mehr von einem Bombenkrater, aber das macht es nicht weniger imposant.
Müde steigen wir wieder in die Straßenbahn und rollen zurück in die Innenstadt.
Die documenta 12 will einen belehren und hat dafür viele verkopfte Kunstwerke. Nur wenig kann den Betrachter durch bloße ästhetische Schönheit fesseln und gleichzeitig zum Nachdenken bringen. Nicht viel ist lustig, Ironie ist kaum zu finden, alles ist recht düster gehalten und spricht auch düstere Themen an.
Eine Tageskarte habe ich noch übrig. Das ein oder andere Kunstwerk werde ich mir also noch einmal genauer anschauen. Vielleicht kommt mir ja dann die Erleuchtung.
