
Der Herzschlag erhöht sich, ein wenig drehe ich den Kopf zur Seite, weil ich lieber nicht sehen will, was gerade auf der Leinwand passiert, aber natürlich schaue ich weiter hin. Es ist zu faszinierend, zu berauschend, zu brachial, um einfach den Blick abzuwenden.
Ich sehe eine Szene, die wahrscheinlich in die Filmgeschichte eingehen wird. Viggo Mortensen, der nette Aragon aus dem Herrn der Ringe, kämpft, als Mitglied der russischen Mafia, nackt in einem Badehaus gegen zwei mit Messern bewaffnete Angreifer. Bedenkt noch, dass der Regisseur David Cronenberg heißt, Macher von “Die Fliege” und “Naked Lunch”, dann lasst eurer Phantasie freien Lauf und ihr werdet nicht annähernd das zu Sehende reproduzieren können.
Aber diese kurze Szene ist nur ein Bruchteil eines großen düsteren Films. Naomi Watts begibt sich auf die Suche nach der Vergangenheit eines jungen osteuropäischen Mädchens, dass bei der Geburt ihres Kindes verstirbt. Ihr Tagebuch führt sie zu einem Restaurant, dessen Eigentümer kein geringerer als Armin Müller - Stahl, Boss einer russischen Mafiafamilie in London, ist. Zu spät merkt sie, mit wem sie sich eingelassen hat und wozu sie fähig sind.
“Eastern Promises” ist ein langsamer Film über dem ständig eine leichte Spannung liegt. Die gesamte Spielzeit über zieht einen die Geschichte, die dunklen Bilder und die beinah erdrückende Musik in einen Strudel aus Gewalt, Moral und Skrupel. Ab und zu explodiert die Spannung zu kurzen und heftigen Exzessen.
Alle Mafia - Charaktere spielen mit einer leichten Gefühlsunterkühlung und Viggo Mortensen setzt selbst dort noch einen drauf und zeigt sich als coolste Sau des Filmjahres. (Ich weiß, mit solchen Sätzen sollte ich aufpassen, bevor ich nicht “No Country for Old Men” und “There will be blood” gesehen habe, aber die laufen ja erst in ein paar Wochen/ Monaten in Deutschland. Verdammte Filmverleiher.)
Schon der thematische Vorgänger “The History of Violence” hat mich mit seiner fast widerlichen Authentizität geschockt und begeistert. “Eastern Promises” setzt zwar in Sachen Gewalt nicht noch einen drauf, erzählt aber eine bessere Geschichte und fesselt durch eine unheimliche Spannung an den Kinosessel. Dieser Film ist erwachsenes Kino vom feinsten.
Der Viggo war wirklich sau gut. Der Cassel aber auch mehr als nur gut!
Aber ein sehr guter Film.