
Bizarr.
Ich glaube mit diesem Wort ist Happy Feet schon fast ausreichend beschrieben. Singende und tanzende Pinguine. Sorry, aber jeder, der mal im Zoo diese Mischung aus Vogel und Fisch beim herumwatscheln und rumkrächtsen beobachtet hat, wird wohl nicht auf die Idee kommen diese Tiere als leichtfüßige Tänzer in einem Animationsfilm einzusetzen. Guckt euch doch nur mal an, wie sie normalerweise laufen. Also watscheln … hin und her wackeln … über den Boden rutschen.
Egal. George Miller, Regisseur der Mad Max Filme und einem Schweinchen Babe Teil (auch unglaublich großartige Kombination), hat sich die Tierchen als Helden ausgesucht und einen brillanten Film gemacht, obwohl eigentlich alles dagegen spricht.
Ein Animationsfilm, der nicht von Pixar ist, muss irgendwie schlecht aussehen. Ice Age, zum Beispiel, ist optisch sowas von simpel gestrickt und stinkt gegen Nemo tierisch (hehe) ab. Nicht so Happy Feet. Einige Szenen könnten aus einem Realfilm stammen, wenn die Tiere nicht plötzlich den Schnabel aufmachen würden und anfingen zu reden.
Zweiter und größter Punkt gegen den Film: Gesangseinlagen. Normalerweise winde ich mich vor Schmerzen auf dem Sofa, wenn irgendwelche Figuren, egal ob Tier oder Mensch, vollkommen wahllos anfangen zu singen und zu tanzen. Das ist so kitschig, so billig, so total daneben. Nicht aber bei Happy Feet. Das ganze Gesinge und Getanze hat nämlich einen Sinn. Jeder Pinguine-Mann findet seine Pinguine-Frau durch sein ganz eigenes Lied, auf das der Partner total abgeht. Großartiges und einfaches Flirtverhalten.
Dabei ist natürlich auch die Musikauswahl und die Länge der Szenen wichtig. Es wird zwar viel gesungen, aber nie ein ganzes Lied, meistens wird pro Gesangsnummer, zwischen mehreren Songs fließend gewechselt. Sowas kann natürlich total daneben gehen, aber wer auch immer dafür zuständig war, hat einen bomben Job gemacht. Wer nicht gerade der totale Metalhead ist, wird mit der Musik großen Spaß haben.
Noch besser sind aber die Tanzeinlagen unseres kleinen Helden Mumble. Der Gute kann nicht singen, aber er kann tanzen. Oh man, kann er tanzen. Er kann so crazy tanzen, dass er schlussendlich das ganze Pinguinevolk rettet. Mit Stepptanz. Ein Pinguine rettet seine Artgenossen durch Stepptanz … warum ist mir sowas noch nicht eingefallen.
Am Schluss will ich noch die ebenfalls bombastischen Actionszenen hervorheben. Wo die Kamera bei den Tanzeinlagen schon die wildesten Bildkompositionen einfängt, ist sie bei den Actionszenen vollkommen außer Rand und Band. Wenn sechs Pinguine einen riesigen Gletscher hinunterrutschen, während dieser hinter ihnen in sich zusammenfällt und die Kamera fast ohne Schnitt hinter, vor und neben den kleinen Helden herrast, dann hat das schon fast Achterbahnqualität. Für diesen Film wünsche ich mir eine große Leinwand.
Happy Feet hat den Oscar gewonnen.
Happy Feet hat Casino Royal, am ersten Wochenende, an den Kinokassen geschlagen.
Happy Feet hat mir gezeigt, dass Animationsfilme doch noch gut sein können.
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