Videospiele

Mehr Gehirnjogging ist zuviel Gehirnjogging

Poinky

Irgendwas muss doch dran sein an diesen Gehirnakrobatikspielen für den Nintendo DS. Wegen solchen Spielen wird der Dual-Screen Handheld doch unter anderem so rasend verkauft.
Also musste der Selbsttest her. Geld suchen, “Mehr Gehirnjogging mit Dr. Kawashima” kaufen, DS entstauben, hinsetzen, sich von einem kleinen Gerät mit Touchscreen verarschen lassen.

Rechenaufgaben. Ich sehe mich ernsthaft dasitzen und Plus und Minus-Zeichen zu vorhandenen Aufgaben einfügen. Gut. Das bekomme ich noch ganz gut hin.
Dann Worträtsel. Die Buchstaben eines Wortes drehen sich durcheinander im Kreis. Ist “Zelwur” ein richtiges Wort, oder hat mir meine blühende Phantasie wieder einen Streich gespielt, frage ich mich und kritzele wild Buchstaben in das Display. “Wurzel” ist die richtige Antwort und ich bekomme 20 Sekunden Strafzeit.
Beim Klavierspielen muss jetzt aber was ordentliches rauskommen. Passend zur Melodie sollen die Notentasten gedrückt werden. Hört sich zwar grauenvoll an und ich tippe mit dem Rhythmus eines toten Waschbären, aber trotzdem erhalte ich 90 von 100 Punkten.
Jetzt wird mir mein geistiges Alter, das erste Mal, an den Kopf geschmettert.
38!
Na gut, damit kann ich fürs Erste leben. Ist zwar das Doppelte meines wirklichen Alters, aber ich habe ja auch erst angefangen mit dem Gehirnjogging. Und zack, hänge ich in der Falle drin, die das Spiel für mich und alle da draußen in der weiten Welt aufgestellt hat. Der Mensch mag es nicht, wenn er von einem Minicomputer als geistig überaltert dargestellt wird. Da geht es an die Ehre. Wer mein Gehirn beleidigt, der beleidigt auch mich. Also spielt man weiter, trainiert und versucht diese verdammte Alterszahl zu verkleinern. Geht am Anfang auch noch recht gut, aber dann kommen weitere Spiele hinzu, die an perverser Hirnverknotung kaum zu überbieten sind. Kleine Männchen machen ein Wettrennen in Lichtgeschwindigkeit und ich soll eines beobachten und seine Endposition bestimmen. Grübelnd hocke ich da und murmel Zahlen vor mich hin, während der kleine Freund auf dem Bildschirm immer wieder die Position wechselt: “Fünf, drei, neun, sechs, drei, zwei … scheiße, wie viele haben ihn gerade überholt?!?”.
Es kommt aber noch besser. Auf einer Analog- und einer Digitaluhr werden Uhrzeiten angezeigt. Soweit simpel. Aber wir sind hier bei Gehirnjogging, also wird die Uhr gedreht, gespiegelt, verzerrt und schließlich soll man die momentane Uhrzeit ablesen. Wild drehe ich den Handheld hin und her, werfe ihn in die Luft, Klappe ihn fast zu, um in der Spiegelung des einen Bildschirm, den anderen zu erkennen und gebe schließlich verwirrt auf.
Dieses Game ist einfach zu hardcore für mich.
Ab und zu fordert einen das Spiel dazu auf kreatives Zeug zu machen. Zum Beispiel soll man aus vorgegebenen Punkten ein Bild malen. Ich habe ein “Poinky” gemalt (siehe Bild oben). Dr. Kawashima hätte gerne einen Drachen gesehen. Naja.


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