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Metroid Prime 3: Corruption

Metroid Prime 3: Corruption

Vor vier Tagen habe ich ein Spiel beendet, dessen Vorgänger von mir in die Ecke gepfeffert wurde.

Mein Verriss von “Metroid Prime” hat mehr Reaktionen hervorgerufen als jeder andere Beitrag, den ich je im Internet veröffentlicht habe. Dabei war der Text nicht mal toll geschrieben und von mir nur mal so aus dem Bauch heraus entstanden. Dafür musste ich mir anhören, dass ich wohl zu dumm für das Gameplay sei und doch bitte wieder auf Games mit simpler Action zurückgreifen sollte.

Doch so ganz daneben kann ich mit meinen Kritikpunkten nicht gelegen haben, denn im neusten Teil ist vieles verändert worden, dass mir bitter aufgestoßen war. “Metroid Prime” ist ein nicht gerade übersichtliches und für den Durchschnittsspieler motivierendes Spiel und da die Entwicklung bei Nintendo ja schon länger in Richtung Casual Gamer und Videogames für alle geht, ist es nur folgerichtig, dass auch das Flaggschiff der Hardcoregamer an einigen Stellen ein paar Kanten abgerieben bekommt, um es der nun breiteren Käuferschicht schmackhaft zu machen.

Ob das die Verkaufszahlen in die Höhe treibt darf trotzdem bezweifelt werden, denn von einem simplen “Wii Sports” oder “Rayman: Raving Rabbids” ist “Metroid Prime 3 : Corruption” noch immer soweit entfernt, wie die Playstation 3 von der Marktführung.

Alles beginnt im Weltall, im Raumschiff von Kopfgeldjäger und Heldin des Spiels, Samus Aran. Draußen fliegen riesige Raumkreuzer am Cockpit vorbei, während man selbst per Wii - Mote das Andockmanöver in die Wege leitet. Das ist innovativ und katapultiert einen direkt ins Spielgeschehen. Was danach kommt ist vorhersehbar aber gut inszeniert. Ein paar Charaktere werden eingeführt, die Raumflotte plötzlich angegriffen und ehe man “Phazon” sagen kann, befindet man sich schon in den ersten Feuergefechten mit den gegnerischen Piraten und schießt mit der Wii Fernbedienung wie selbstverständlich ein Monster nach dem anderen über den Haufen, scannt Objekte, öffnet Türen und befindet sich in einem Videospielstrudel den man für die nächsten 15 Stunden nur ungern verlassen möchte.

Für mich lag das unter anderem an der beinah klassischen gradlinigen Missionsstruktur. Die im Vorgänger noch auf einen Planeten beschränkte Spielwelt wurde auseinander gerissen, portioniert und auf mehrere Planeten verteilt. Das erhöht die Übersicht enorm und das Zurückkehren auf schon besuchte Planeten hält sich glücklicherweise in Grenzen. Auf der Erdoberfläche angelangt, wird auf der Karte das nächste Ziel direkt markiert. Wie man an dieses Ziel gelangt ist dagegen vorerst unklar. So darf fröhlich erforscht werden, ohne dass der Spieler sich merkwürdig verloren und planlos vorkommt.

Die Steuerung ist ein ganz klarer Glanzpunkt des Spiels und lässt einen über die zahlreichen, aber von tumben Gegnern gespickten Schusswechsel hinwegsehen. Es fühlt sich so normal, so natürlich an Laserstrahlen durch die Luft zischen zu lassen, dass man irgendwann über das Zielen kaum noch nachdenkt. Man macht es einfach. Die Wii - Mote in der Hand verringert den Abstand zwischen Spieler und Spielwelt fast gänzlich und macht den sonst abstrakten Vorgang des Zielens per Analog - Stick oder Maus zu einer natürlichen Bewegung.

Was ich diesem Spiel jedoch vorwerfe, kann man zwar auf fast alle Videospiele übertragen, aber selten ist es so ausgeprägt wie bei Metroid. Es fühlt sich immer so an, als ob die Welt für den Spieler gebaut wurde und nur wegen ihm und für ihn existiert. Die passenden Rollbahnen für Samus Morphball sind immer genau richtig vorhanden, jedes neu gefundene Item passt perfekt an den gerade neu entdeckten Platz, alles fügt sich wie von Zauberhand ineinander. Das ist nicht wirklich schlimm und wohl auch kaum zu umgehen, aber wenn man mal darauf achtet und darüber nachdenkt ein absurdes Detail in einer absurden Videospielwelt.

Optisch besticht “Corruption” durch großartiges Art-Design und weniger mit Effekt - Overkill. Planeten mit prächtigen Farben lösen sich mit düsteren metallischen Innenräumen ab. In einer schwebenden Stadt über den Wolken kann man die weit entfernten Gebäude im Nebel schimmern sehen. Es passt alles sehr gut zusammen und sorgt für die passende Atmosphäre. Der Soundtrack ist mal sphärisch, mal orchestral, mal elektro. Teilweise auch etwas übertrieben, wenn man nur durch einen langen Gang schlendert und eine wilde Trommelmusik mit Stammesgesängen ertönt.

Ich gebe zu, dass ich keinen einzigen Dateneintrag, den man über das Scannen von Terminals oder Wandgemälden erhält, gelesen habe und Maße mir deshalb nicht an, die Story im Detail zu bewerten. Das aber, was ich durch die Zwischensequenzen und die endlich eingeführten zusätzlichen Charaktere mitbekommen habe, ist klischeehaft, abgedroschen und eigentlich auch vollkommen egal, weil es darum nicht wirklich geht.

Es geht um den steinigen Weg, den man dank immer wieder erweiterten Kampfanzug beschreiten kann und den famosen Einsatz der Wii - Peripherie, damit Spiel und Spieler erstmals miteinander verschmelzen. Selbst wenn der Held eine Frau in goldener Rüstung ist und ich nur ein einfacher Zivildienstleistender.


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