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No Country For Old Men

No Country For Old Men

Wenn ihr auf die Frage “Wie geht es dir?” mit “Läuft.” antwortet und bei einem trostlosen Regentag erst so richtig aufblüht, dann ist “No Country For Old Men” genau der perfekte Film für euch. Nicht, weil es besonders viel regnet, es ist meistens eher staubtrocken in der Wüste Texas, aber weil euer Gemüt dann gut zu Handlung und Ton des Streifens passt.

Lakonische Dialoge mit schwarzem Humor, wechseln sich mit düsteren Bildern und blutigen Schießereien. In jeder Szene weht der Hauch des Todes und Javier Bardem verkörpert ihn in gnadenloser Perfektion. Seine Unterhaltungen mit den potenziellen Opfern und sein Bolzenschussgerät sind schon jetzt Kult. Wie er ein simples Gespräch mit einem Tankwart in ein mörderisches Psychospiel verwandelt, ohne das es der Beteiligte richtig merkt ist phänomenal.

Der gesamte Film lebt von Unwissenheit. Ein Jäger findet in der Wüste mehrere Leichen und zerschossene Autos. Ein Drogendeal scheint schief gegangen zu sein und sowohl Geld, als auch Drogen liegen zwischen den toten Mexikanern. Unser tragischer Held nimmt das Geld an sich und kurze Zeit später sind ihm eine mexikanische Gangsterbande und ein amerikanischer Profikiller auf den Versen. Am Ende der Kette befindet sich noch der Sherriff, gespielt von Tommy Lee Jones. Auch er weiß nicht so recht, was vor sich geht, folgt aber der Leichenspur bis zum bitteren Ende. Ein Ende, dass im ersten Moment sehr merkwürdig daher kommt und den Zuschauer überrumpelt. Auch ich kann mich damit nicht so ganz anfreunden. Soweit ich es gehört habe, sind die Coen Brüder der Romanvorlage von Cormac McCarthy bis ins Detail treu geblieben, was im Prinzip zu begrüßen ist. Auf der anderen Seite kommt es komisch rüber, wenn man sich über 90 Minuten mit einem der Hauptdarsteller beschäftigt und dieser dann so plötzlich von der Bildfläche verschwindet. Alles nach dem Showdown, hat mir wieder gut gefallen, aber dieser plötzlich verschobene Blickwinkel will mir nicht ganz einleuchten.

Als ich später die Trivia Einträge in der imdb studierte, sind mir zwei faszinierende Tatsachen begegnet, die man beim Zuschauen kaum bemerkt.
Erstens: Es gibt fast keine Musik im Film. Nur der Wind, der über die Wüste rauscht. Nur der Wiederhall der Waffen in den dunklen Straßen. Nur die markigen Worte der Protagonisten.
Zweitens: Die drei Hauptpersonen Jäger, Gejagter und Polizist sind in keiner einzigen Einstellung zusammen im Bild zu sehen. Nie. Wie krass ist das denn bitte? Und wie perfekt passt es zum Gesamtbild des Films.

Durch seine triste Schönheit und seinen urigen Humor hat mich der Film gefangen. Gleichzeitig spuckt er einem eine ordentliche Portion Blut und schlussendlich philosophische Fragestellung in das Gesicht, dass ich an einer zweiten, dritten und vierten Sichtung auf DVD nicht vorbeikommen werde.

Jetzt natürlich noch die Oscar Frage. Mir persönlich hat “There Will Be Blood” einen Deut besser gefallen. Vielleicht lag es auch einfach an der packenderen Inszenierung, die bei “No Country For Old Men” leicht unterkühlt rüberkommt, aber ich gönne den Coens all ihre Oscars. Sie stechen erfrischend aus dem Einheitsbrei Hollywood heraus und das wurde glücklicherweise einmal belohnt.


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