Wollt ihr mal wieder so richtig schön depressiv sein? Mal wieder so richtig schön hinabsteigen in die Dunkelheit? Sich herrlich suhlen in Tod, Einsamkeit und dem Ende allen Lebens ohne jegliche Hoffnung auf Besserung?
Dann nehmt den neusten Cormac McCarthy Roman in die Hand, setzt euch hin und lest, je nach Lesegeschwindigkeit, drei bis vier Stunden und entschwindet in eine post - apokalyptische Welt.
Es regnet Staub und Dreck, alle Tiere und Pflanzen sind verschwunden und mit ihnen jede Farbe. Die Erde ist nur noch eine dunkle Kruste und kaum ein Sonnenstrahl findet seinen Weg durch die dichte Wolkendecke.
Vater und Sohn wandern auf der Straße gen Süden, immer gen Süden in Richtung der Küste. Sie haben kaum zu Essen, nur die Kleidung, die sie am Leib tragen und einen Revolver mit zwei Schuss Munition.
Warum die zivilisierte Welt untergegangen ist, erfährt der Leser nicht genau, dafür aber grausige Details darüber, was danach passierte: Raubzüge, Essensmangel, Kannibalismus. Dementsprechend vorsichtig gehen die beiden Wanderer mit jedem Fremden um, dem sie auf ihrer langen und beschwerlichen Reise begegnen.
“Die Straße” ist kein Endzeit-Actionroman, sondern erzählt vom einfachen Überlebenskampf zweier einsamer Seelen, die nur sich selbst haben und nur noch wegen dem anderen weiterexistieren.
Lange Umgebungsbeschreibungen wechseln sich mit minimalistischen Dialogen ab, kurze Ruhepausen mit schrecklichen Entdeckungen und Lebenswille mit Selbstmordgedanken. Keine lockerer Lektüre, sondern ein wiederkehrender Schlag in die Magengegend.
McCarthy hat für “Die Straße” den Pulitzer Preis 2007 erhalten.
Auf meinem Schreibtisch liegen noch ein paar Bücher rum, die ich in letzter Zeit gelesen habe, bei denen ich aber nie so richtig wusste, was ich über sie erzählen soll.
“Sloughterhouse Five” von Kurt Vonnegut lies mich überraschend kalt. Ein amerikanischer Soldat erlebt die Zerstörung Dresdens, durch die eigenen Bomber, als Kriegsgefangener mit, überlebt, kehrt nach Hause zurück, wird von Ausserirdischen entführt, die ihm erklären, dass die Zeit nicht vergeht, sondern das ganze Leben nur aus Momenten besteht, woraufhin unser tollpatschiger Held Billy Pilgrim immer wieder eine Art Zeitreise durchläuft und bestimmte Momente des Krieges und der Zeit danach erneut erlebt.
Wahrscheinlich bin ich einfach das falsche Publikum für einen solchen Antikriegsroman und komme als Leser 38 Jahre zu spät. Um es mal ganz platt auszudrücken: Krieg ist doof und das wusste ich auch schon vor der Lektüre dieses Machwerks. In diesem Sinne bietet die Geschichte auch wenig neues, was die Gräueltaten des Krieges angeht. Der Abschnitt über den titelgebenden Schlachthof 5 in Dresden ist äußerst kurz ausgefallen und schockiert weniger, als die Vorgeschichte im Gefangenentransport.
Durchzogen von kühlem, manchmal schwarzem Humor, liest sich die nur 200 Seiten lange Geschichte, auch im englischen Original, sehr locker.
Wer nicht genug vom zweiten Weltkrieg bekommen kann, darf ruhig mal in den Roman reinlesen, aber ich werde mich von der Thematik erstmal fern halten. Mein Sättigungsgrad ist erreicht.

Irgendwas muss doch dran sein an diesen Gehirnakrobatikspielen für den Nintendo DS. Wegen solchen Spielen wird der Dual-Screen Handheld doch unter anderem so rasend verkauft.
Also musste der Selbsttest her. Geld suchen, “Mehr Gehirnjogging mit Dr. Kawashima” kaufen, DS entstauben, hinsetzen, sich von einem kleinen Gerät mit Touchscreen verarschen lassen.
Rechenaufgaben. Ich sehe mich ernsthaft dasitzen und Plus und Minus-Zeichen zu vorhandenen Aufgaben einfügen. Gut. Das bekomme ich noch ganz gut hin.
Dann Worträtsel. Die Buchstaben eines Wortes drehen sich durcheinander im Kreis. Ist “Zelwur” ein richtiges Wort, oder hat mir meine blühende Phantasie wieder einen Streich gespielt, frage ich mich und kritzele wild Buchstaben in das Display. “Wurzel” ist die richtige Antwort und ich bekomme 20 Sekunden Strafzeit.
Beim Klavierspielen muss jetzt aber was ordentliches rauskommen. Passend zur Melodie sollen die Notentasten gedrückt werden. Hört sich zwar grauenvoll an und ich tippe mit dem Rhythmus eines toten Waschbären, aber trotzdem erhalte ich 90 von 100 Punkten.
Jetzt wird mir mein geistiges Alter, das erste Mal, an den Kopf geschmettert.
38!
Na gut, damit kann ich fürs Erste leben. Ist zwar das Doppelte meines wirklichen Alters, aber ich habe ja auch erst angefangen mit dem Gehirnjogging. Und zack, hänge ich in der Falle drin, die das Spiel für mich und alle da draußen in der weiten Welt aufgestellt hat. Der Mensch mag es nicht, wenn er von einem Minicomputer als geistig überaltert dargestellt wird. Da geht es an die Ehre. Wer mein Gehirn beleidigt, der beleidigt auch mich. Also spielt man weiter, trainiert und versucht diese verdammte Alterszahl zu verkleinern. Geht am Anfang auch noch recht gut, aber dann kommen weitere Spiele hinzu, die an perverser Hirnverknotung kaum zu überbieten sind. Kleine Männchen machen ein Wettrennen in Lichtgeschwindigkeit und ich soll eines beobachten und seine Endposition bestimmen. Grübelnd hocke ich da und murmel Zahlen vor mich hin, während der kleine Freund auf dem Bildschirm immer wieder die Position wechselt: “Fünf, drei, neun, sechs, drei, zwei … scheiße, wie viele haben ihn gerade überholt?!?”.
Es kommt aber noch besser. Auf einer Analog- und einer Digitaluhr werden Uhrzeiten angezeigt. Soweit simpel. Aber wir sind hier bei Gehirnjogging, also wird die Uhr gedreht, gespiegelt, verzerrt und schließlich soll man die momentane Uhrzeit ablesen. Wild drehe ich den Handheld hin und her, werfe ihn in die Luft, Klappe ihn fast zu, um in der Spiegelung des einen Bildschirm, den anderen zu erkennen und gebe schließlich verwirrt auf.
Dieses Game ist einfach zu hardcore für mich.
Ab und zu fordert einen das Spiel dazu auf kreatives Zeug zu machen. Zum Beispiel soll man aus vorgegebenen Punkten ein Bild malen. Ich habe ein “Poinky” gemalt (siehe Bild oben). Dr. Kawashima hätte gerne einen Drachen gesehen. Naja.

Die Thematik des Todes, als vermenschlichten Charakter in einer schwarzen Komödie, ist seit Terry Pratchett und seinen Scheibenweltromanen mit dem mürrischen Tod keine wirkliche Neuerung mehr. Also hat sich Christopher Moore, der in Amerika schon Kultstatus erreicht hat, bei uns (mir) aber recht unbekannt ist, etwas anderes einfallen lassen. Hauptcharakter Charlie Asher ist nicht der Tod selbst, sondern nur sein Bote, der die Seelen der Gestorbenen einsammelt und an ihren nächsten Körper weitergibt. Leider bekommt er den neuen Job zusammen mit der Geburt seiner Tochter und dem Tod seiner Frau serviert.
Über Umwege gelangt das “Große Bunte Buch des Todes”, in dem alle wichtigen Informationen in Sachen Todesbote verzeichnet sind, zu Charlie und er an seine neue Tätigkeit. Das alles wird auch dementsprechend skurril und schwarzhumorig beschrieben, aber wirkte auf mich doch immer wieder stark aufgesetzt. Keine Person im Buch ist auch nur ansatzweise normal, jeder hat irgendeine übertriebene Eigenschaft auf den Leib geschrieben bekommen und wird ohne Unterlass für jeden Gag missbraucht. Gruftie Jugendliche, russische Haushälterinnen, bisexuelle Schwestern, mysteriöse Polizisten, notgeile Erotikchatter, alle haben teilweise einen an der Klatsche und wiegeln sich noch Gegenseitig auf. Die eigentliche Handlung um den Todesboten und den echten Tod ist leider sehr stark voraussagbar und konnte mich nicht gerade fesseln.
Moore schreibt klasse Dialoge, die ich gerne mal von guten Schauspielern auf der Leinwand hören würde, aber die Story ist einfach zu fade und den letzten überraschenden Dreh kann man schon nach fünfzig Seiten riechen.

Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass die, um den Grindhouse-Effekt beschnittene und um 30 Minuten erweiterte, europäische Filmversion von “Death Proof”, durch die geldgierigen Weinstein Brüder, todsicher (haha) gegen die Wand gefahren wurde.
Komischerweise hat man die zusätzlichen Minuten nicht als unangenehme Längen empfunden, was ganz einfach an der, wie immer, unglaublich relaxten und groovenden Inszenierung Tarantinos liegt.
Ist mir egal, ob in den ersten 45 Minuten des Films nichts weiter passiert, als das sich eine Gruppe hübscher Frauen unterhalten, trinken und tanzen.
Wenn mit solch bombastischer Musik und solch gekonnten Bildkompositionen gearbeitet wird, dann gucke ich mir alles an: egal ob Füße, Hintern, einen schmatzenden Kurt Russel oder Regentropfen.
Mit welcher Konsequenz die lang und breit eingeführten Charaktere dann das Zeitliche segnen, nur um danach von neuen Hauptcharaktere ersetzt zu werden ist fast wahnsinnig und reist den Film quasi in zwei Teile auseinander. Es ist so, als würde man sich “Death Proof 1″ und “Death Proof 2 - Die Rückkehr” gleichzeitig anschauen.
Die zweite Actionszene konnte mich leider, wegen extremer Sinnlosigkeit nicht mehr so begeistern, aber das abrupte Ende hat wieder für entsetzte Lacher im Kino gesorgt. Da verfolgt der Böse, die drei Guten Mädchen in ihrem Auto, während eine auf der Motorhaube rumklettert und anstatt einfach anzuhalten, damit sie einsteigen und so aus der unmittelbaren Gefahrenzone entfliehen kann, fahren sie einfach schneller weiter. Gute Idee.
Das Ende will ich jetzt nicht auch noch spoilern, aber so viele verstörte und belustigte Ausrufe habe ich vom Kinopublikum schon lange nicht mehr gehört. Durch den Schock gelähmt sind sogar fast alle Leute den ganzen Abspann über sitzen geblieben. Könnte aber auch an der Musik gelegen haben. Großartige Musik.

“Little Miss Sunshine” ist die perfekte Indie-Komödie und das lässt sich an ein paar Punkten ganz einfach und deutlich aufzeigen.
Zu erst einmal braucht man leicht verrückte aber liebenswerte Charaktere. “LMS” hat gleich sechs davon: ein pummeliges kleines Mädchen, dass Schönheitskönigin werden möchte, einen Drogen nehmenden Opa, einen selbstmordgefährdeten Homosexuellen, einen Vater, der mit Motivationslehrgängen Geld verdienen will, einen Sohn, der die Welt hasst, kein Wort redet und Kampfpilot werden will, sowie eine relativ normale Mutter, die versucht den Laden zusammenzuhalten. Achja, und natürlich den gelben VW Bus. Der ist so wichtig für den Film, dass er quasi einen zusätzlichen Charakter darstellt.
Gut. Personen haben wir also alle. Dann müssen wir noch eine obskure Idee einfügen, die alle zwingt zusammen im VW Bus quer durch Amerika zu fahren. Da kommt uns der Schönheitswettbewerb zu gute. Die kleine Tochter muss dort unbedingt binnen zwei Tagen hin. Der Opa muss mit, weil er der persönliche Trainer ist, der Vater muss das Auto fahren, weil die Mutter nicht mit Gangschaltungen umgehen kann und der Sohn sowie der suizidgefährdete Onkel dürfen nicht allein gelassen werden.
Zack. Alle in den knuffigen Bus und los geht eine der lustigsten, melancholischsten und chaotischsten Reisen der letzten Filmjahre.
Weiter im Indie-Baukasten.
Musik von amerikanischen Indie-Pop-Größen? Check. Sufjan Stevens.
Teilweise unkonventionelle freche Dialoge? Check.
Olive: Grandpa, am I pretty?
Grandpa: You are the most beautiful girl in the world.
Olive: You’re just saying that.
Grandpa: No! I’m madly in love with you and it’s not because of your brains or your personality.
Tragisches auf und ab im Leben? Check.
Das glorifizieren des “Anders-Seins”? Check.
“Little Miss Sunshine” hat dies Alles und macht das Alles auch sehr gut, aber gerade das Abzielen auf diese Grundsätze der Freak-Komödie macht den Film sehr vorhersehbar und unselbstständig.
Ein guter Film, aber für mich ganz klar überbewertet.

Da ist er nun. Lange haben wir alle auf ihn gewartet und die wenigsten haben wirklich an seine Realisierung geglaubt. Aber hey, sie drehen auch einen neuen Indiana Jones Film mit Spielberg, Lucas und Harrison Ford. Auch so ein Filmwunder.
Ich habe schon lange keine der neuen Simpsons Folgen mehr gesehen, da mir, wie vielen anderen auch, das Niveau der neuen Staffeln deutlich zu niedrig war. Haufenweise Berühmtheiten tauchten immer wieder auf, ohne witzig zu sein, Homer wurde immer mehr zu einem totalen Volltrottel gemacht und es fehlte einfach an der verrückten Spritzigkeit früherer Tage.
Meine Erwartungen für den Film waren dementsprechend niedrig angesetzt.
Das Licht im Kinosaal geht aus. Auftritt Itchy & Scratchy mit entsprechendem Chaos. Dann steht plötzlich Homer auf, dreht sich zu den Zuschauern um und beginnt uns, die Zuschauer, mich zu beschimpfen. “Warum soll man sich etwas im Kino anschauen, dass man auch zu Hause im Fernsehen haben kann? Ihr Idioten!”
Genau in diesem Moment haben mich die Simpsons wieder am Harken.
Ja, man hat ein wenig das Gefühl, die Macher haben drei aufwendigere Folgen aneinandergebastelt, ja, die eigentliche Story ist eher lau, ja, man kann in 90 Minuten nicht alle Nebenfiguren der Simpsons-Welt gebührend zeigen, ja, es gibt nicht so viele Seitenhiebe auf die Probleme der Welt, wie viele elitäre Simpsons-Fans gerne hätten, aber verdammt noch mal, es war lustig, es war schräg, es war teilweise böse und endlich mal wieder etwas verrückter. Ich weiß, die Vergleiche mit South Park und Family Guy sind eigentlich unnötig, aber was Family Guy den Simpsons im TV an Geschwindigkeit voraus hat, haben die Gelben in den ersten 20 Minuten des Films wieder aufgeholt.
Dieser Film hätte die Simpsons für immer begraben können, aber bei mir hat es die Lust an der Serie wieder geweckt. In den nächsten Tagen werden mal wieder die DVDs der ersten Staffeln bei mir rotieren.
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