Wenn ich etwas über einen Skandalautor lese, dann ist mein Interesse geweckt. Skandale ergeben sich immer nur, wenn jemand etwas komplett anderes und unnormales macht, wogegen der durchschnittliche Bürger schließlich protestieren kann, oder sich angewidert abwendet. So oder so, muss es entweder um ein brisantes Thema oder eine provokative Inszenierung gehen. Beide Aspekte sind mir recht, da es mich schnell langweilt Medien mit der selben Thematik und gleichen Herangehensweise, mehrfach hintereinander zu konsumieren. Wie Menschen alle Harry Potter Bände hintereinander weg lesen können, oder einen Krimiroman nach dem anderen verputzen, ist mir ein Rätsel.
So bin ich nun auf den nicht unbekannten Michel Houellebecq gestoßen. Angeblich der bekannteste französische Autor der Gegenwart. So ganz kann ich das nicht glauben. Auf der Suche nach seinen Büchern in den großen Buchfilialen der Innenstadt fand ich einmal kein einziges Buch von ihm in den Regalen, einmal eines und einmal zwei. Als chronologiebewusster Leser entschied ich mich für seinen Erstling “Ausweitung der Kampfzone”.
Ein junger Informatiker berichtet aus seinem Single - Leben, beschreibt ein düsteres Bild unserer Gesellschaft und ist allgemein nicht so gut drauf. Die Welt ist irgendwie doof und die meisten Menschen, die sie bevölkern, auch. Laut dem Ich - Erzähler gibt es zwei Kampfzonen in unserem Leben: die wirtschaftliche (Arbeit, Geld, Haus, Auto, Pferd) und die sexuelle (mit wem, wie oft, wo, wie).
Mit kühler Sprache wird unser aller trauriges Leben seziert und irgendwann denke ich als Leser auch, dass alles scheiße ist, obwohl es mir ganz gut geht. In dieser Hinsicht kann ich den Roman also empfehlen. Als Downer sehr gut geeignet. Dabei schwingt das Erzählte zwischen eklig, satirisch, überzeichnet und philosophisch hin und her, bildet also eine perfide Mischung, die zu faszinieren weiß.
Am Ende der Lektüre war ich nicht wirklich schlauer, aber für ein paar Tage etwas mehr angepisst von der Welt.
… wenn du den Ventilator mehr auf deine Xbox 360 pusten lässt, als auf dich selbst.

Es haben sich mal wieder einige unbesprochene Filme bei mir angesammelt, über die ich zumindest ein paar Sätze schreiben möchte.
Beowulf: Regisseur Robert Zemeckis, bei mir bekannt für familienfreundliche Kinofilme, hat bei Beowulf einfach mal all seine pubertären Gedankengänge ausgelebt und einen überraschend düsteren, blutigen, übertriebenen und über alle Stränge schlagenden Animationsfilm geschaffen. Trotz Motion Capture mit bekannten Schauspielern kommt auch Beowulf nicht aus dem uncanny valley heraus und wirkt dadurch wie eine aufgebohrte Videospielzwischensequnz. Mit dem Film kann man viel Spaß haben, wenn einen die schwertschwingenden Proll - Wikinger nicht stören.
30 Days of Night: Eigentlich standen die Chancen für diesen Film ganz gut. Die Comicvorlage ist ein dreckiges Stück Horror mit ordentlich Blut, hingerotzten Zeichnungen und hoffnungsloser Stimmung. Als Regisseur wurde David Slade verpflichtet, der mir mit Hard Candy schon einmal einen bösen Schlag in die Magengegend verpasst hatte. Konnte also nichts schief gehen. Leider doch. Die Vorlage wurde sehr stark verändert und mit vielen Nebenfiguren vollgepackt, die keinen interessieren und nur Blödsinn veranstalten. Die Vampire sind ein Haufen langweiliger Zähnefletscher und die ganze Story wird ohne jeden Spannungsbogen abgehandelt. Verschenktes Potenzial.
Rushmore: Seit ich Die Tiefseetaucher gesehen habe, bin ich großer Wes Anderson Fan und schaue mich von vorn nach hinten durch seine Filme, was teilweise wirklich schwierig ist, weil Videotheken sie nicht führen und die DVD Preise unangenehm hoch sind.
Rushmore hat alles, was ich an Andersons Filmen liebe. Großartige Schauspieler, tolle Rockmusik, einen irren Humor und die ein oder andere Kameraspielerei. Unbedingt ansehen!
Transformers: Mist mit hohem Budget.
Resident Evil: Extinction: Mist mit kleinem Budget.
O Incrível Hulk: Habe ich in Portugal gesehen. War ganz nett, hat aber dem Hulk Universum jetzt auch keine neuen Impulse gegeben. Mit der Story lässt sich einfach nicht viel anfangen.
In Deutschland läuft der Film mit einer Freigabe ab 12 geschnitten. In Portugal war er ebenfalls ab 12, aber in voller Länge zu sehen und hat auf mich keinen sonderlich brutalen Eindruck gemacht. Der Endkampf soll aber stark verkürzt und unverständlich sein, also rate ich von der deutschen Version ab. Es gibt aber auch in ausgewählten Kinos eine ab 16 Version, vielleicht habt ihr Glück und diese läuft in eurer Nähe.
The Kingdom: In einer internationalen Wohnanlage in Saudi Arabien wird ein Bombenattentat verübt und die Amerikaner schicken eine kleine Truppe FBI Agenten los, um den Fall aufzuklären und den doofen Saudis mal zu zeigen, wie man ordentlich Spuren sichert.
Die erste Hälfte des Films war ich von der etwas plumpen Art der Darstellung von Amerikanern und Saudis abgeschreckt, aber im letzten Drittel dreht der Film ordentlich auf und entfesselt eine heftige Actionszene nach der anderen und zur Krönung des ganzen wird die Rachementalität beider Parteien in krasser Weise offen gelegt. Für einen großen amerikanischen Millionen Dollar Film eine beachtenswerte Leistung.
Wenn sich der CD Spieler und die Mikrowelle mit den anderen technischen Geräten abends in der Disco treffen, dann hören sie ganz bestimmt Autechre. Ich kenne mich in der Welt der elektronischen Musik nicht so genau aus, aber der Sound des britischen Duos ist schon sehr ungewöhnlich und eigen. Wenn ich deren Musik höre, habe ich immer das Gefühl, der moderne Schnick Schnack um mich herum möchte mit mir kommunizieren. Als hätten sich Handy, mp3 - Player, das Notebook und der USB - Stick mit der Anlage abgesprochen und würden alle gleichzeitig auf mich einschreien. Mal harmonisch und mal in einer großen Kakophonie.
Das neuste Album hört auf den Namen Quaristice und kommt in schönem blau daher. Darauf versammelt sind 20 Tracks mit so klangvollen Namen wie plyPhon, fwzE oder auch 90101-5l-l. Eine klare Struktur ist in den wenigsten Songs zu finden und so fangen sie einfach an und hören mal nach wenigen Sekunden, mal nach einigen Minuten, auch einfach wieder auf.
Unter anderem wird dieser Sound in das Genre der Intelligent Dance Music eingeordnet und wenn dieser Begriff auch etwas snobisch klingt, so ist er doch nicht verkehrt. Diese Klangfetzen sind so weit von stumpfen Technogewummer entfernt, wie Deutschland von einem Sieg beim Eurovision Song Contest. Das führt zu einer faszinierenden und den Hörer einsaugenden Soundkulisse, aber auch zu einem an den Nerven zerrenden Gewusel an Tönen, dass ich es kaum schaffe das Album in einem Stück durchzuhören.
Freunde von schräger und experimenteller Musik sollten sich eine halbe Stunde mit Autechre gönnen und hören, wie sie den harten Tobak vertragen. Vielleicht bleibt ja etwas hängen.
Myspace: Autechre