Stranger Than Fiction – Chuck Palahniuk

von Daniel

stranger than fictionSeit ich Palahniuks Der Simulant gelesen habe, beschäftigt mich die Person Chuck Palahniuk ungemein. Wie jedes männliche Wesen im Alter von 12 bis 49 hatte ich Fight Club gesehen und für großartig befunden. Dann fand ich heraus, wer hinter all diesem Wahnsinn aus brutaler Gesellschaftsbeobachtung steckte und las zwei Romane von diesem zum großen Kultobjekt avancierten Schriftsteller. Nach jeder Lektüre waren meine ersten Gedanken: “Was muss man für ein Mensch sein, um solche Bücher zu schreiben? Woher kommen diese Geschichten, die so absurd und doch so voller widerlicher Wahrheit sind?”

Die Antworten zu diesen Fragen finden sich im Kurzgeschichtenband Stranger Than Fiction. Chuck Palahniuk ist studierter Journalist und er hört den Menschen zu. Das Buch versammelt neun Reportagen über allerlei außergewöhnliche Menschengruppen, sieben Porträts und Kurzinterviews sowie sieben persönliche Geschichten des Autors, von denen viele in verschiedenen Zeitungen und Magazinen ihre Erstveröffentlichung hatten.

Er berichtet vom freizügigen Testy Festy, einem jährlichen Event, bei dem Bullenhoden frittiert und vertilgt werden. Er beobachtet ein Destruction Derby mit Erntemaschinen. Er besucht drei Männer, die ihre eigenen Schlösser und Burgen gebaut haben. Das sind die Menschen und Begebenheiten, aus denen Palahniuks Romane gestrickt sind.

Er spricht mit Juliette Lewis über die Dreharbeiten mit Robert De Niro und wie er ihr den Finger in den Mund steckt. Er lauscht der rauen Stimme des schmächtigen Marilyn Manson und legt mit ihm Tarot-Karten. Er trifft den Rocket Guy, der mit einer selbstgebauten Rakete in den Weltraum fliegen möchte und der seine russische Frau dabei erwischte, wie sie im Internet Sex-Seiten mit Tieren besuchte. Daher nimmt Palahniuk seine Ideen. Er saugt das alles auf.

Am Schluss berichtet Chuck von sich selbst. Vom plötzlichen Erfolg durch die Verfilmung seines Romans Fight Club, der sich erst nicht sonderlich toll verkaufte. Dann von seinem Vater, der ermordet wurde, nachdem er auf eine Kontaktanzeige geantwortet hatte. Der eifersüchtige Ex-Mann tauchte mit einer Schrotflinte beim Date auf. Und schließlich von seiner Inspiration. All den Menschen, all den kleinen Anekdoten, die er in großen Aktenschränken sammelt. Fight Club besteht fast nur aus Personen, die er kennt und Situationen, die sie erlebt haben. Nur der Fight Club selbst, ist noch immer erfunden.

Was sagt mir das? Ich muss mehr verrückte Menschen kennen lernen.


Stranger Than Fiction
2004
Chuck Palahniuk

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