
Graf Knickwitz: “Knickediknack”
Es hat schon etwas leicht revolutionäres, wenn nicht mehr der gute alte Bowser, unsere Lieblingsmischung aus Schildkröte und Drache, als Oberbösewicht eines Mario - Videospiels fungiert. Als neuer Scherge des Bösen, gibt es in “Super Papier Mario” Graf Knickwitz. Der möchte nichts weniger, als alle vorhandenen Welten zerstören. Und wir wollen nichts weniger, als genau das verhindern. Wir wollen also das Universum retten.
Mario alleine würde sowas natürlich nicht schaffen. Deswegen gibt es mit Prinzessin Peach, Luigi und ausgerechnet Bowser, drei weitere Charaktere, die wir als Spieler durch ein fast klassisches Mario Jump ‘n’ Run steuern. Fast klassisch. Es gibt Lebenspunkte, verschiedene Angriffe, Items und die Möglichkeit die flache 2D Welt in die dritte Dimension zu drehen. Dieser Trick wird von den Entwicklern hauptsächlich für Rätsel und wenig für den Kampf und die Sprungpassagen benutzt. Steht man vor einer unüberwindbaren Wand, dreht man einfach die Welt und entdeckt im Mauerwerk eine Lücke, durch die man schlüpfen kann. Steht man vor einem Endgegner und wechselt die Ansicht ist man nur verwirrt und bekommt auf den Sack. Keiner der Zwischenbosse verlangt den Einsatz dieser Fähigkeit, denn alle lassen sich durch die alte Formel, “Spring dem Gegner so lange auf den Kopf, bis er aufgibt”, lösen.
Die, für ein Mario - Spiel, recht ausufernde Story wird durch viele Dialoge zwischen den Charakteren vorangetrieben. Meistens musste ich mich wegen den zwischen kindisch doof und übertrieben doof schwankenden Gesprächen vor Schmerzen auf dem Sofa hin- und herwinden. Manchmal jedoch treffen die Dialoge genau den richtigen Tonfall und man kann sich ein breites Grinsen nicht verkneifen.
Leider baut das kunterbunte Spiel zum Ende hin stark ab und lässt einen im letzten Kapitel durch eine zwar stylische, aber dröge schwarz - weiß Welt tappen. Die wirklichen guten Ideen sind bis dahin alle verbraucht und so werden nochmal alle Gegnertypen des gesamten Spiels auf einen gehetzt. Das wird nach einer Zeit nervig und der Schlussakt ist inhaltlich so dick mit Friede und Freude beschmiert, dass einem ganz anders wird. Vorallendingen, weil man all das schon lange geahnt hat.
Vielleicht bin ich langsam echt zu alt für Mario. Oder zu zynisch. Oder zu emo. Wenn der kleine rote Klempner mit dem Kopf nickt und “Yeah!” sagt, dann macht mein Nerd - Herz einen kleinen Hüpfer, aber wenn ich den letzten Endgegner durch ein paar Sprünge mit dem Arsch voraus auf den Kopf besiege, dann möchte ich laut schreien: “Dafür habe ich 20 Stunden gespielt? Das Bowser mit seinem grünen Hintern auf den großen Roboter springt?”.
Naja. Die 20 Stunden machen Spaß, aber Mario wird langsam alt. Da kann man sich in noch so viele Dimensionen drehen.
Wir sehen uns in einem Monat im Weltraum wieder. Mal schauen, was du dann drauf hast.
Was für ein geiler Name ist das denn? Wie heißt der gute Mann im englischen Original?
Count Bleck. Eindeutig nicht so cool wie Graf Knickwitz.
Nein, definitiv nicht. Sogar langweilig.