
Ode:
“The Legend of Zelda: Phantom Hourglass” ist das erste Spiel für den Nintendo DS, auf das ich mich wirklich gefreut habe. Der Releasetag konnte nicht früh genug kommen. Alle anderen von mir gekauften DS Games waren keine “Oh mein Gott, ich muss das haben”, sondern “Sieht nett aus, schaun wir mal” - Käufe. Doch um den neusten Zelda Teil und den ersten nur per Touchpen gesteuerten DS Auftritt hat sich ein wirklicher Hype aufgebaut.
Allein für dieses Spiel habe ich mir einen neuen DSlite gekauft, damit ich das Abenteuer optisch auch in vollen Zügen genießen kann. Und es gibt einiges zu genießen. Wacht man das erste mal mit Link am Strand auf und setzt den Touchpen vorsichtig auf den Screen, läuft dieser wie von Geisterhand los und hinterlässt kleine Fußabdrücke im Sand. Geschmeidig animiert und in feinster Comicgrafik schlenderte ich umher und beobachtete Bewegungen, Bäume, das Grass und Fußabdrücke. Kurze Zeit später läuft mir das erste Huhn über den Weg und ich schnappe es mir und werfe es wild gackernd ein Stück über den Bildschirm. Ein breites Grinsen macht sich in meinem Gesicht breit. Ja, das hier ist wirklich ein Zelda - Spiel, auch wenn es sich vollkommen anders steuert.
Wo “The Legend of Zelda: Twilight Princess” Ende letzten Jahres nur einige kleine Möglichkeiten der revolutionären Wii Steuerung ausnutzte ist “Phantom Hourglass” ein komplett an den DS angepasstes Videospiel. Theoretisch könnte man alle Knöpfe am DS entfernen und alles würde sich weiterhin perfekt spielen. Man tippt auf den Bildschirm zum Schlagen, Werfen, Schießen, Reden, Notieren … einfach allem.
Spielerisch ist fast alles wie es bei Zelda schon immer war. Eine Reise beginnt mit der Suche nach einem Tempel, in dem sich irgendetwas Wichtiges befindet. Zuerst bereist man mit seinem Schiff die Meere, um die nächste Insel zu erreichen. Früher lief man oder ritt zum nächsten neuen Abschnitt auf der Welt. Dort wird dann der Tempel gesucht, der sich erst betreten lässt, wenn man ein paar kleine Rätsel vor Ort gelöst hat. Im Dungeon selbst beginnt dann die Suche nach einem neuen Item (Bumerang, Bomben, Bogen etc.), mit dem es dann den Endgegner des Tempels zu besiegen gilt.
Die Steuerung bleibt also das Innovativste am ganzen Spiel. Die Flugbahn des Bumerangs wird gemalt, Pfeile gezielt beim Antippen verschossen und Notizen können direkt auf der Karte eingetragen werden. Vorbei die Zeiten, als noch ein kleiner Zettel neben der Konsole lag, auf dem man Hebelkombinationen notieren musste.
Nochmal zur Grafik. Unglaublich. Wirklich unglaublich, was hier aus der Hardware herausgeholt wird. Geschmeidige Animationen bei allen Figuren, große Endgegner, Explosionen, Leuchten, Strahlen und das weite Meer.
“Phantom Hourglass” ist alles, was sich Handheldspieler auf der ganzen Welt gewünscht haben. Es spielt sich in kurzen Abschnitten genauso gut, wie in langen durchzockten Nächten, es ist einfach zu steuern und fördert den Entdeckerdrang. Wer weiß schon, was für Schätze auf der nächsten Insel auf einen warten.
Verriss:
Eigentlich müsste ich nur auf das neuste Video von “Zero Punctuation” verlinken und alles wäre gesagt. Wie dort das Spiel auseinander genommen wird ist die wahre Freude.
“Phantom Hourglass” ist ein Zelda - Spiel wie jedes andere auch. Wer eines gespielt hat, kennt alle Gameplayelemente, alle Spielabläufe und sogar die Story. Neu ist diesmal nur die Steuerung und diese ist so einfach wie das gesamte Spiel. Es ist förmlich spürbar, wie die Entwickler auf die Casual Gamer, Nintendos neue Lieblingszielgruppe, geschielt und alles so glattgebügelt haben, dass auch meine Oma mit drei Tippsern auf den Schirm fünf Gegner besiegen würde.
Schaut man sich die zahlreichen Rätsel an, dann sind dies keine Rätsel. Niemand muss rumrätseln wie es weitergeht. Er muss nur lesen können. Alle, aber wirklich alle Rätsel werden auf Steintafeln erklärt. “Wenn du diese Tür öffnen möchtest, gehe zu den Hebeln und ziehe sie in folgender Reihenfolge: …”. So kommt der Spieler sich super schlau vor, wenn er nach nicht mal 15 Minuten im neuen Dungeon schon vor dem Endgegner steht, wundert sich aber auch, was man die letzte Viertelstunde eigentlich gemacht hat.
Auf den weiten Meeren wird per Schiff gereist. Der Kurs wird per Touchpen festgelegt und danach läuft die Fahrt automatisch. Damit es nicht zu langweilig wird, greifen einen ab und zu Seemonster an, die man mit per Bordkanone erledigt oder Barrieren aus Algen tauchen plötzlich vor einem auf über die einfach per Sprung mit dem Boot hinweg gehopst wird.. Springen … Boot, naja.
Größtes Ärgernis ist jedoch der Tempel des Meereskönigs. Hier kommt das namensgebende Stundenglas zum Einsatz. Auf Zeitdruck hetzt man durch 6 oder 7 Ebenen voller unbesiegbarer Gegner und muss sich bei jeder Rückkehr immer wieder durch die vorherigen Etagen schleichen. Ich kam mir vor wie ein beschnittener Sam Fisher oder verkrüppelter Solid Snake. Erst beim letzten Durchgang ist es möglich die Phantome mit seinem neuen Schwert zu erledigen. Bis dahin heißt es verstecken und rennen. Kleinere Schutzzonen dienen als Rückzugspunkt und dementsprechend hastig versucht man diese auch aufzusuchen. Kein großer Spaß.
Zu sammeln gibt es diesmal auch keine Herzcontainer. Diese bekommt man automatisch nach jedem Bossgegner. Dafür darf man aber drei verschiedene magische Tropfen sammeln, welche ab einer bestimmten Anzahl neue Fähigkeiten freischalten, die vollkommen unnütz sind. Zum Beispiel ein Feuerschwert, das zwar gut aussieht, aber keinen spielerischen Nutzen hat. Selbst mit dem normalen Schwert gehen die Gegner nach einem Schlag zu Boden. Da brauch man auch kein Feuerschwert mehr.
Am Ende kämpft man drei Mal gegen den selben Endgegner in verschiedenen Formen, macht nochmal das, was Link am besten kann, Pfeile schießen und das Schwert schwingen, zeichnet ein paar magische Symbole auf den Bildschirm, schaut sich die Credits an und lauscht der Musik des Abspanns.
“The Legend of Zelda” ist zu einem Fast-Food-Menü verkommen: einfach zu besorgen, schnell gegessen, locker verdaut und trotzdem noch Hunger.
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