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There Will Be Blood

There Will Be Blood

Eigentlich wollte ich das Filmjahr 2007 schon als mittelprächtig abschreiben. Als der Jahreswechsel kam, war mein Rückblick auf 12 Monate Kino geschrieben und mein Fazit sehr ernüchternd. Doch dann viel mein Blick auf die Veröffentlichung Anfang 2008 und es keimte Hoffnung in mir. Dort hatten sich die guten Filme alle versteckt. Sie waren zwar 2007 gedreht und fertiggestellt, aber ihr Erscheinen in Deutschland zog sich bis in den März. Also löschte ich meinen Artikel, rieb mir die Hände und freute mich auf das, was noch kommen würde.

Gestern Abend stolperte ich aus dem kleinen Kinosaal, in dem Paul Thomas Andersons “There Will Be Blood” gezeigt wurde und war berauscht. Ich war in einem cineastischen Rauschzustand, wie schon lange nicht mehr. Draußen empfing mich die nordhessische Kälte, drinnen ließ ich die knochentrockene Wüste Amerikas zurück.
Die letzten 158 Minuten drehten sich um den Ölmann Daniel Plainview, sein Ölgeschäft, seinen adoptierten Sohn, Gott, Ehrgeiz, Hass und noch soviel mehr. Ein Grund für die Art und Weise, wie mich der Film umgehauen hat, war vielleicht mein Unwissen. Ich las immer nur etwas von einem düsteren Film über einen Mann, der Öl abbaut. Mehr muss man auch nicht wissen, wenn das Licht im Kinosaal ausgeht und in der ersten Einstellung drei karge Hügel erscheinen und quietschende Gitarren zu einem langen quälenden Ton ansetzen. Von dort an war ich gefangen und folgte Daniel Day - Lewis in die Abgründe, die er selbst, mit seiner Figur des grimmigen Ölmanns, aufstieß.

Was genau ist jetzt so brillant an diesem Film? Genau kann ich es nicht sagen. Zu sehr klingt in mir noch die Wucht des Kinobesuchs nach.
Handwerklich und schauspielerisch ist “There Will Be Blood” jedoch perfekt. Beinah beängstigend perfekt. Day - Lewis spielt mit so einer Energie und einer Vielschichtigkeit, dass es manchmal fast zu viel ist. In jeder Einstellung erkennt man, dass in diesem Mann noch etwas schlummert, dass er mit sich selbst kämpft. Die Kamera ist dabei immer genau richtig. Mal weit weg, um auch wirklich die gesamte Weite der Umgebung einzufangen und mal so nah dran, dass jeder einzelne Bartstoppel zitternd zu erkennen ist.

Noch ein paar Worte zur Musik. In den ersten Minuten konnte ich mich noch nicht so richtig mit dem knarzenden Gitarrensound anfreunden. Zu ungewöhnlich klang das in den Ohren. Aber je länger der Film lief, um so deutlicher wurde die Macht der Geräusche. Mit langgezogenen nervenden Tönen wird eine Spannung erzeugt, wo vorher nur ein Mann ist, der mit seiner Spitzhacke auf Gestein einschlägt. Unruhig rutscht man auf dem Kinosessel umher, weil man denkt, gleich passiert etwas. Er gleitet vielleicht ab und haut sich die Hacke ans Bein. Dann passiert erstmal nichts dergleichen. Nur um plötzlich doch mit wummernden Gitarren ein Schreckensszenario auf die Leinwand zu malen.
Der brennende Ölturm in der Dunkelheit wird so schnell nicht aus meinem Gedächtnis verschwinden.

Diese Woche läuft “No Country For Old Men” in Deutschland an und, sosehr ich mich auch auf den Film freue, er wird es unglaublich schwer haben “There Will Be Blood” von meinem “Bester Film des Jahres” - Thron zu kippen.


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