Thirst – Durst
von Daniel

Einen Park Chan-Wook Film zu beschreiben ist nicht einfach.
Seine Filme treffen bei mir einen Nerv, der sich im Verborgenen aufhält und den ich nie zu fassen bekomme. Ich bin angeekelt und erfreut zu gleich. Ich sehe teils sadistische Szenen mit einem unglaublichen Gefühl für Stil und warmer Herzlichkeit und winde mich dabei im Kinosessel. In dieser komisch schwebenden Haltung zwischen Ekel und Freude befand ich mich beim Schauen seiner Rachetrilogie und nun auch bei der Sichtung seines neusten und mit dem Großen Preis der Jury in Cannes ausgezeichneten Werkes Thirst.
Der junge Priester Sang-hyeon stellt sich als Testobjekt für die Suche nach einem Impfstoff für das gefährliche Emmanuel-Virus zur Verfügung. Die Experimente laufen schief und er erhält übermenschliche Kräfte, kann sich aber ab sofort nur noch mit Blut am Leben halten. Trinkt er nicht, so tötet ihn der Virus.
Eine animalische Seite steigt in ihm auf, die er als keuscher Gläubiger nicht kannte und kaum im Zaum halten kann. Als er dann die junge Frau Tae-joo kennenlernt, überkommt ihn die Lust und er beginnt ein Verhältnis mit ihr. Sie ist jedoch verheiratet und will ihren eigenen Mann loswerden.
Es entbrennt ein psychologischer Kampf zwischen dem zwanghaft kontrollierten Priester, der keinem Menschen schaden will und der emotionalen leidenschaftlichen Frau, die eine Möglichkeit sieht, aus ihrem tristen Leben zu entfliehen. Wer die Filmografie des Regisseurs kennt, wird wissen, wohin die Reise geht.
Thirst ist eine Mischung aus Poesie und Genrefilm. Sex und Blut, Liebe und Leid, ruhige Worte und schwarzer Humor. Chan-Wook weiß, dass er uns eine alte Vampirgeschichte vorstellt und er weiß, dass dies auch die Zuschauer wissen. Also führt er Konventionen vor, verändert sie hier und da leicht und spielt mit den Erwartungen. Es hat etwas von Hitchcock, wie Wissende und Unwissende vor und auf der Leinwand miteinander verwoben werden.
Leider zieht sich aber eine gewisse Trägheit und Länge durch den Film. Nie wird ganz klar, wo die Geschichte hingeht, wo sie überhaupt hinwill. Diese stete Unwissenheit führt zu vielen überraschenden Momenten, lässt aber kaum erzählerische Spannung zu. Die Spannung des Gezeigten entsteht allein aus der Intensität der einzelnen Szenen, die insgesamt eine nur lückenhaft gezeigte Story zusammenhalten. Als Zuschauer muss man sich die Hintergründe der Ereignisse zusammenpuzzeln. Erklärende klare Momente sind rar. Alles ist so grau und in sich zerrissen, wie die Seelenlandschaft des zum Vampirismus konvertierten Geistlichen.
Das Ende kommt, wie es kommen muss, und ist mit tragisch komischer Verspieltheit inszeniert. Hier läuft alles, was den Film ausmacht zusammen: trockener Humor, brutale Gewalt, stilvolle Bilder mit ebensolcher Musik und viel Gefühl bis zum letzten Bild.
Wenn ich den Subtext plakativ ablesen sollte, dann sind Geistliche die besseren Menschen und Frauen passen die Schuhe der Männer nicht.
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Thirst
2009
Park Chan-Wook
CJ Entertainment
Trailer: