Zur Zukunft von wasted-time.org
von Daniel
Wir schreiben den 4. Oktober 2009. Ich sitze in meiner neuen Wohnung in Nürnberg. Das größte Umzugschaos hat sich gelegt, nur noch hier und da steht ein Karton dessen Inhalt noch kein neues zu Hause gefunden hat und mein Schreibtisch ist noch eine Übergangslösung, aber alles in allem lässt es sich hier gut leben.
Es ist Sonntag und es herrscht Ruhe. Gute Voraussetzungen, sich mal ein paar Gedanken über die eigene Webseite zu machen, die nun schon länger brach liegt.
wasted-time.org war bisher immer ein Hobbyprojekt mit großem persönlichen Einschlag. Es wurde zwar immer über Themen der gepflegten Zeitverschwendung berichtet und damit meistens über Medien im Großen und Kleinen, aber immer aus meiner eigenen kleinen Sichtweise, begrenzt durch Zeit und Geld. Ich habe einfach über meine Hobbys geschrieben: über Filme, die ich gesehen, Bücher, die ich gelesen, Spiele, die ich gespielt und Musik, die ich gehört habe. Dadurch wurde das Schreiben ebenfalls zu einem Hobby und zu einem Zwang. Wenn ich etwas mediales konsumierte, dann musste darauf auch ein Artikel folgen, denn sonst passierte auf der Seite nichts, und einen gewissen Besucherstrom wollte ich doch erhalten. Schreiben, nur um zu schreiben, war irgendwann nicht mehr meine Sache.
Zum Glück entdeckte SpielerZwei diesen Blog und lud mich zum Gründungszirkel von polyneux.de ein. Dort konnten zumindest meine Artikel über Videospiele schlagartig einem größeren Publikum präsentiert werden und durch die mehrköpfige Autorenmannschaft entstand kein neuer Druck, über jedes von mir gespielte Game einen Beitrag zu schreiben. Meiner geringen Gier nach Aufmerksamkeit war damit Genüge getan und wasted-time.org konnte entspannt weiter vor sich hindümpeln.
Dieses Hindümpeln führt nun zu zwei einfachen Fragen:
- Brauche ich wasted-time.org noch?
- Wenn ja oder nein, wie geht es dann weiter?
So, wie dieses Blog bisher lief, brauche ich es nicht mehr. Ich schreibe ganz gerne und möchte auch, dass die Ergüsse von ein paar Menschen gelesen werden. Bei polyneux.de habe ich das.
Die Resonanz auf wasted-time.org war immer ganz nett, aber nie großartig, weswegen ich auch keine großen Bedenken habe, meine Leserschaft zu verprellen und zu verlieren. Dafür war wasted-time.org nicht besonders genug. Es war meine kleine Höhle im Internet, jedoch nicht mehr.
Also könnte ich hier eigentlich das Licht ausmachen und gut ist.
Eigentlich.
In mir drin schlummert der kleine Ehrgeiz, die Idee “wasted time” zu etwas größerem zu machen. Zu einem Blog mit mehr Autoren, mit mehr eigenen medialen Inhalten, wie Audio- und Video-Podcasts und regelmäßigeren Beiträgen über ALLES mit dem man heutzutage seine Zeit verschwenden kann.
Wie das gehen soll?
Ich weiß es selber noch nicht so recht. Die Produktion von Audio- und Video-Beiträgen ist so einfach wie nie, kann aber sehr schnell billig und langweilig rüberkommen. Gegenüber dem geschriebenen Wort haben sie aber auch viele Vorteile. Wenn ich einen Text schreibe dauert es mindestens eine Stunde, vielleicht sogar Tage, wenn es nur langsam voran geht, dann brauche ich noch Bilder, das Ding muss ins System eingepflegt werden und danach muss der Besucher das ganze auch noch lesen.
Ich mag lange Texte, aber im Internet sind die Möglichkeiten für neue Informationspräsentation gegeben.
Wie wäre es, wenn man während dem Medienkonsum immer wieder kurze Eindrücke auf digitales Band spricht und am Ende ein gesammeltes Tagebuch veröffentlicht. Bei Videospielen, Büchern und Musik kein Problem.
Wie wäre es, mit mehreren Leuten direkt nach dem Kinobesuch eine Gesprächsrunde über den Film zu machen, um spontanes Feedback einzufangen. Dann vielleicht noch eine Nachbesprechung eine Woche später.
Wie wäre es einen Brettspielabend mit Kamera zu begleiten und am Ende alle ein paar Sätze dazu sagen zu lassen.
Das wäre chaotisch, teilweise unbrauchbar und im schlimmsten Fall langweilig und nichtssagend, weil spontan und ungeplant.
Deswegen müssten solche Aktionen mit konventionellem Podcasting gekoppelt werden. Drei Leute sitzen um einen Tisch und sagen ihre Meinung zu einem Thema. Dieses Prinzip benutzen fast alle Podcasts und ich kann es ehrlich gesagt nicht mehr hören. Einer ist gelangweilt, einer zieht das Gespräch an sich, es werden alte News wiedergekäut und nach einer Stunde ist man genauso schlau wie zuvor und wurde noch nicht mal gut unterhalten. Solche Diskussionen müssten kürzer und knackiger werden und man braucht dafür Menschen die ein paar Ecken und Kanten haben, damit etwas Spannendes oder Lustiges dabei rauskommt und das Zuhören Spaß macht, selbst wenn man den zu besprechenden Film, Song – whatever – nicht kennt.
Die thematischen Schwerpunkte müssen gesprengt werden. Reden wir über Theater, über den Sänger in der Fußgängerzone, ein Museum, eine TV-Sendung, eine neue Sportart, Briefmarken sammeln, keine Technik-Themen, Technik-Themen, Shoppen, reden wir einfach über alles, mit dem Menschen ihre Zeit glücklich und froh verschwenden.
Ich brabbel hier nur so vor mich hin und ich weiß, dafür braucht man Menschen und Kameras, Mikrofone, Lust, Zeit, Kekse und Limo. Dazu habe ich auch schon einige Ideen, aber für heute reicht es erstmal.
Sollte ich wirklich ein weiteres Mal zum Großangriff blasen, werde ich hier und im realen Leben Nerds und Nicht-Nerds suchen, die ein dann näher beschriebenes Projekt umsetzen können und wollen. Bis dahin bleibt dieser Beitrag als Diskussionsgrundlage und Information hier stehen.
Danke für ihre Aufmerksamkeit und noch einen schönen Sonntag.
Kommentare
Es mag nur deine kleine Höhle sein, aber ich habe immer gern in ihr herumgestöbert (wenn auch nur selten meinen Senf gegeben zu den Beiträgen). Kann deine Vision aber sehr gut verstehen, ganz ähnliche Gedanken habe ich auch. Mein Blog ist zur Zeit ja auch eher Brachland. Nicht dass es an Ideen oder Motivation mangeln würde, aber irgendwie ist auch bei mir das Gefühl da, dass mal wieder etwas Neues passieren muss. Immer nur im alten Design schalten und walten macht auf Dauer halt doch ein bißchen müde.
Die Gedanken zu Video/Podcasts kenne ich auch. Aber: Finden muss man Leute erstmal, mit denen man das in Angriff nehmen könnte. Einen regelmäßigen Podcast quer durchs Gemüsebeet (aber halt schon mit einer notwendigen Spannungskurve und Struktur) würde ich dann gerne machen. Was dann das Thema Videocasts angeht: praktisch dasselbe in grün.
Wie gerne hätte ich beispielsweise gestern über die eher maue “Neugeburt” von “Wetten dass …?” gesprochen. Klar hätte ich auch schreiben können, aber mir fällt das gesprochene Wort in solchen Fällen dann doch meistens leichter. Nur: ganz alleine granteln über eine Show ist auch eher suboptimal.
Du siehst also: du bist mit diesen Gedanken nicht allein. Und so einen Beitrag wie du ihn jetzt geschrieben hast, wollte ich auch schon lange mal schreiben, aber: aus Mangel an wirklich konkreten Entwicklungen in irgendeine spezielle Richtung habe ich dann doch darauf verzichtet.
Reich die Flosse, Genosse. Und gutes Einleben weiterhin.
Ich fände es schade, wenn Du Wasted Time einstellen würdest, da ich hier gerne Deine Artikel zu Film, Buch und Gedöhns gerne lese. Allerdings will ich Dir da nichts einreden. Wenn Du grundsätzlich keine Lust mehr hast oder einfach die Zeit fehlt, ist das natürlich Deine ganz persönliche Entscheidung, die man auch nicht vom Leser abhängig machen sollte.
Wenn ich mehr Zeit zum Schreiben hätte, würde ich mit Dir sofort Gespräche über ein Gemeinschafts-Medien-Blog starten, weil ich auch oft Lust habe, etwas zu schreiben, was bei Polyneux thematisch keinen Platz findet (z.B. Film- oder CD-Kritiken). Allerdings bin ich seit der Geburt des SpielKindes froh über jeden Polyneux-Artikel, den ich fertig bekomme. Für weitere Projekte fehlt mir derezit leider absolut die Zeit. Auf gelegentliche Gastbeiträge zu anderen Unterhaltungsmedien hätte ich allerdings schon Lust…